FRANKFURT (dpa-AFX) – Der Dax könnte sich nach seiner jüngsten Schwächephase in der neuen Woche mit einer klaren Richtung schwer tun. Es dürfte sich zeigen, "dass die ruhigere Adventszeit allmählich an den Finanzmärkten Einzug hält", schreibt Analystin Claudia Windt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Und laut Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers, wird es hierzulande wohl trotz der politischen Entwicklungen in Berlin weniger spannend zugehen als an der Wall Street, wo der US-Leitindex Dow Jones Industrial zuletzt fast pausenlos eine Rekordmarke an die nächste gereiht hatte.

Windt erwartet weder von einem weiteren soliden US-Arbeitsmarktbericht am kommenden Freitag noch von möglichen erneuten Rekordständen der europäischen Einkaufsmanager-Indizes, die bereits am Dienstag anstehen, nennenswerte Kursimpulse für den wichtigsten deutschen Aktienindex. Zudem sieht die Unternehmensagenda für die nächsten Tage übersichtlich aus.

Für Experte Greil rücken die USA mit der Entscheidung zur Steuerreform von Präsident Donald Trump, dem Thema Verschuldungs-Obergrenze und wichtigen Wirtschaftsdaten noch mehr als zuletzt in den Fokus. "Es muss sich jetzt zeigen, ob die Vorschusslorbeeren für die Steuerreform, die die Wall Street im November im Gegensatz zu Europas Aktienmärkten nach oben getrieben haben, gerechtfertigt waren", betont Greil.

Nach einem positiven Votum des Senats am Wochenende ist Trumps als "historisch" angekündigte, umfassende Steuerreform in greifbare Nähe gerückt. Kern sind massive Erleichterungen für Unternehmen.

Beim Dax bleibe abzuwarten, ob die Anleger auch diesmal wieder den Rücksetzer zum Einstieg nutzten, gibt Analyst Gregor Kuhn von der Bernstein Wertpapierhandelsbank zu bedenken. Möglicherweise trennten sich derzeit US-Investoren von ihren europäischen Aktienbeständen, wofür der gegenüber dem US-Dollar erstarkende Euro spreche. Eine steigende Gemeinschaftswährung verteuert tendenziell die Produkte europäischer Unternehmen für Käufer außerhalb des Euroraums und kann deshalb deren Aktienkurse belasten.

Zudem hält Kuhn – anders als Merck-Finck-Experte Greil – "die politisch unsichere Regierungsperspektive in Berlin, die sich zunehmend auch hemmend auf EU-Entscheidungsprozesse in Brüssel auswirkt", durchaus für ein mögliches Verkaufsmotiv. Aus charttechnischer Sicht sieht er den Dax aktuell in der Handelsspanne der vergangenen Tage gefangen. Auf dem Weg nach oben sei der Index mehrfach an der Marke von 13 160 Punkten gescheitert, während nach unten die Unterstützungszone zwischen 13 000 und 12 870 Punkten zumindest bisher halte.

Kursbewegende deutsche Unternehmensnachrichten dürften in der neuen Woche Mangelware sein. Mit dem Möbelkonzern Steinhoff (Mittwoch) und dem Medizintechnik-Spezialisten Carl Zeiss Meditec (Freitag) legen lediglich Unternehmen aus den Nebenwerte-Indizes MDax und TecDax Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor.

Auf der Agenda stehen zudem Investorenveranstaltungen des Rüstungskonzern und Autozulieferers Rheinmetall (Montag), der Deutschen Bank (Dienstag), des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1 (Mittwoch) sowie des Industrie- und Stahlkonzerns Thyssenkrupp und des Kraftwerksbetreibers Uniper (beide Donnerstag).

Am Dienstagabend nach Handelssschluss gibt zudem die Deutsche Börse mögliche Änderungen in den deutschen Aktienindizes bekannt. In Dax, MDax und TecDax bleibt voraussichtlich alles beim Alten. Die zuletzt aufgekommenen Sorgen über ein Ausscheiden von ProSiebenSat.1 aus dem Leitindex sind nach der jüngsten Kurserholung zumindest vorerst wieder in den Hintergrund gerückt.

Dagegen steht im Kleinwerte-Index SDax laut Commerzbank-Analystin Petra von Kerssenbrock womöglich ein Wechsel an: "Gerry Weber ist akut gefährdet", sagt sie und hält wie ihre Kollegen Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg sowie Michael Bissinger von der DZ Bank einen Austausch mit dem Papier des Agrarhändlers Baywa für denkbar./gl/jha/she/das

— Von Gerold Löhle, dpa-AFX —