FRANKFURT (dpa-AFX) – Die Augen der Anleger bleiben in der neuen Woche dank schwächerem Euro und US-Steuerfantasie auf das zum Greifen nahe Rekordhoch beim Dax gerichtet. "Die Sehnsucht nach großen Würfen hat auch die Investoren erfasst," erklärte Analystin Claudia Windt von der Landesbank Helaba. Dabei verwies sie auch auf die Steuerpläne von US-Präsident Donald Trump und die vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron skizzierte Vorstellung von den Vereinigten Staaten von Europa.

Der Dax baute denn auch seinen Monatsgewinn in der letzten September-Woche auf rund 6,4 Prozent aus. Dem deutschen Leitindex fehlt damit weniger als ein Prozent bis zu dem im Juni erreichten Rekordhoch von 12 951,54 Punkten. "Die Skeptiker müssen auf den fahrenden Zug aufspringen, um nicht abgehängt zu werden", schrieb Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets in einem Marktkommentar. Das könne den Dax schnell auf die nächste runde Marke von 13 000 Punkten befördern.

Ein wenig Geduld könnte dennoch gefragt sein. Laut dem Marktexperten Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar könnte nämlich der Ausbruch über die bisherige Bestmarke trotz einer ungebrochenen Aufwärtsdynamik schwieriger werden als der Anlauf darauf. So sind bei Aktien wie Indizes kleinere Rückschläge nicht selten, bevor ihnen schließlich der Ausbruch über bisherige Höchststände gelingt.

Ob dem Dax in der neuen – am Dienstag vom Tag der deutschen Einheit unterbrochenen – Handelswoche der große Sprung gelingt, dürfte auch vom politischen Umfeld abhängen. "Mit dem am Sonntag geplanten Abspaltungsreferendum Kataloniens von Spanien und den schwierigen ‘Jamaika’-Koalitionsverhandlungen in Berlin kommen Unwägbarkeiten auf die Börsen zu", erklärten die Experten der Privatbank Merck Finck.

Zudem birgt die US-Steuerfantasie Enttäuschungspotenzial. "Die Aktienmärkte setzen schon zum zweiten Mal auf die vermeintlichen Wachstumseffekte der Trumpschen Steuerpolitik," sagte Helaba-Analystin Windt. Auf dem hohen Bewertungsniveau am US-Aktienmarkt sei das wohl mindestens einmal zu viel.

Für Bewegung könnten auch Konjunkturdaten sorgen. Am Wochenende veröffentlichte Stimmungsdaten aus der chinesischen Industrie zeigten keine klare Tendenz für die Konjunktur des Landes. Von Interesse ist am Montag aber auch insbesondere der ISM-Index, der ein Stimmungsbild für die US-Industrie zeichnet. Er gilt als verlässliches Signal für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Zum Wochenschluss steht dann in Deutschland die Industrieproduktion auf der Agenda, gefolgt vom wichtigen US-Arbeitsmarktbericht, an dem sich die US-Notenbank mit ihrer Zinspolitik orientiert.

Allerdings dürfte Hurrikan Harvey die US-Arbeitsmarktstatistik für September durcheinander gewirbelt haben, schrieb Analyst Christoph Balz von der Commerzbank in einem Wochenausblick. "Verlässliche Daten gibt es wohl erst im November." Experten sehen die US-Notenbank Fed dessen ungeachtet weiter auf Kurs, den Leitzins zum Jahresende hin ein weiteres Mal zu erhöhen – und genau das könnte indirekt auch den deutschen Aktienmarkt weiter stützen. So ist laut dem Marktstrategen Andrew Garthwaite von der schweizerischen Bank Credit Suisse solch ein Zinsschritt noch nicht ausreichend am Devisenmarkt eingepreist, was den Eurokurs unter Druck halten könnte. Eine schwächere Gemeinschaftswährung aber ist positiv für die Exportwirtschaft der Eurozone und treibt für gewöhnlich auch die Aktien der exportlastigen Unternehmen im Dax an.

Auf der Unternehmensseite dürfte es noch eher ruhig zugehen. Die Berichtssaison der Unternehmen für das dritte Quartal läuft unter anderem mit Zahlen des vor der Übernahme durch Bayer stehenden US-Saatgutkonzerns Monsanto langsam an. Zudem stehen Pkw-Zulassungszahlen und ein Kapitalmarkttag des MDax-Konzerns Wacker Chemie auf der Agenda./mis/ajx/he/men

— Von Michael Schilling, dpa-AFX —