BERLIN (dpa-AFX) – Die deutsche Wirtschaft sieht im Falle einer Lösung im Libyen-Konflikt Potenziale für eine wieder bessere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Land. Der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Libyen hatte einst den Status als bedeutender Erdöllieferant für die deutsche Wirtschaft und war damit ein wichtiger Handelspartner auf dem afrikanischen Kontinent." Diesen Status habe Libyen in der Zwischenzeit verloren.

"Sollte sich die Situation in Libyen jedoch wieder normalisieren und das Land den Wiederaufbau der weitgehend zerstörten Infrastruktur beschließen, hat Libyen das Potenzial, wieder zu einem wichtigen Partner der deutschen Wirtschaft heranzuwachsen", sagte Treier. "Die deutsche Wirtschaft verfügt über die Technik und das Know-how, die marode und an vielen Stellen zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für diesen Sonntag zu einem Libyen-Gipfel nach Berlin eingeladen. Sie hatte sich vorsichtig zuversichtlich gezeigt, dass es dort Fortschritte hin zu einer Verhandlungslösung für das Bürgerkriegsland geben könnte.

Treier sagte, in den vergangenen Jahren seien die deutschen Exporte nach Libyen fast gänzlich zum Erliegen gekommen. Im Jahr 2018 habe sich das bilaterale Handelsvolumen auf 3,7 Milliarden Euro belaufen – davon hätten deutsche Exporte rund 326 Millionen Euro ausgemacht. In den ersten 10 Monaten des Jahres 2019 konnten demnach die deutschen Ausfuhren um 27 Prozent gesteigert werden, so dass für 2019 mit einem Exportvolumen von rund 360 Millionen Euro gerechnet werden könne.

Die deutsche Wirtschaft liefert nach DIHK-Angaben insbesondere Maschinen und Anlagen für die Erdölexploration sowie dringend notwendige Nahrungsmittel und sonstige medizinische Produkte nach Libyen. Der deutsche Import aus Libyen bestand 2018 zu 99,4 Prozent aus Erdöl. Hauptlieferländer nach Libyen sind die Eurozone, China und die Türkei. Hauptabnehmerländer, insbesondere des libyschen Öls, sind nach DIHK-Angaben Italien, Spanien und Frankreich./hoe/DP/zb