PEKING/PJÖNGJANG (dpa-AFX) – Vor den geplanten Gesprächen zwischen Nord- und Südkorea zum ungelösten Atomstreit reist ein hoher chinesischer Unterhändler nach Pjöngjang. Minister Song Tao, Leiter der internationalen Abteilung des Zentralkomitees, werde eine Künstlertruppe begleiten, die am Freitag in der nordkoreanischen Hauptstadt auftreten soll, berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch.

Unterdessen wartete die südkoreanische Regierung gespannt auf den Ausgang der geplanten Frühjahrssitzung des nordkoreanischen Parlaments. Im Zentrum stand die Frage, ob sich die Oberste Volksversammlung im Nachbarland zu Plänen von Machthaber Kim Jong Un befassen würde, mit Südkorea und den USA über das nordkoreanische Atomprogramm zu reden. Doch bis zum späten Abend (Ortszeit) gab es in den staatlichen Medien des abgeschotteten Landes zunächst keine Hinweise auf die Sitzung.

Die Vorbereitungen auf die Gipfeltreffen von Kim mit Südkoreas Präsident Moon Jae In am 27. April und US-Präsident Donald Trump Ende Mai oder Anfang Juni haben eine Fülle von diplomatischen Aktivitäten ausgelöst. Anfang der Woche hatte der nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho schon Moskau einen seltenen Besuch abgestattet. Auch laufen hinter den Kulissen Gespräche mit den USA.

Song Tao ist der höchste Verantwortliche in Chinas Regierung, der sich speziell um Nordkorea kümmert. Im November hatte der Minister zuletzt Pjöngjang besucht, ohne aber Fortschritte im Atomstreit machen zu können. Auch war er nicht einmal von Kim Jong Un empfangen worden.

Das Verhältnis war wegen der nordkoreanischen Raketen- und Atomtests und den besonders von China umgesetzten Sanktionen auf einen Tiefpunkt gesunken. Mit dem überraschenden Besuch des Machthabers im März in Peking haben sich die beiden Nachbarn aber wieder angenähert. Bei ihren Gesprächen schienen Staats- und Parteichef Xi Jinping und Kim Jong Un erneut an der traditionellen Freundschaft anzuknüpfen.

Nordkorea hatte im März die Parlamentssitzung angekündigt. Unklar war, ob Kim Jong Un teilnehmen werde. Die im Ausland auch als Scheinparlament bezeichnete Oberste Volksversammlung tritt normalerweise nur ein- oder zweimal jährlich zusammen und berät unter anderem über den Staatshaushalt. Es werden weitgehend Beschlüsse der Staatsführung ratifiziert./dg/lw/DP/he