BERLIN (dpa-AFX) – Die Ukraine verliert durch Korruption nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Montag) derzeit mehr Geld, als sie sich von ihren internationalen Geldgebern leihen will. Der Generalstaatsanwalt Jurij Luzenko sagte dem Blatt, dem Land entgingen beim Zoll "ungefähr 30 bis 40 Prozent" durch Korruption.

Nach Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" gehen Kiew beim Zoll jährlich bis zu 4,8 Milliarden Dollar (4,1 Mrd Euro) verloren. "Das entspricht weit mehr als einem Zehntel der Staatseinnahmen und ist doppelt so viel Geld, wie sich die Ukraine 2018 von Internationalem Währungsfonds, EU und Weltbank leihen will", hieß es.

Unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente mit Frachtbrief-, Container- und Zollerklärungsnummern beschreibt das Blatt, wie Waren von Importfirmen und Zollmitarbeitern umdeklariert werden, um Zoll zu sparen. So habe eine Firma aus Dnjepropetrowsk 103 Container mit Fahrradteilen, Gartenscheren, Schuhen und Regenschirmen in Odessa abfertigen lassen. Auf dem Weg vom Frachtbrief zur Zollberechnung hätten sich gut 20 Tonnen Regenschirme in Bürsten und Pinsel, Spiegel oder Pappkartons verwandelt. Statt 17 712 Dollar Zoll seien so nur 4875 Dollar angefallen.

An den Zollbetrügereien sollen dem Bericht zufolge auch Mitarbeiter der Polizei, der Generalstaatsanwaltschaft und des Geheimdienstes SBU beteiligt. Für Abwicklungen würden extra Firmen gegründet, die Zollfunktionären, Offizieren oder Justizmitarbeitern nahe stünden./hn/DP/zb