SEOUL/BERLIN (dpa-AFX) – US-Präsident Donald Trump kann bei seinem Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un nach Einschätzung eines südkoreanischen Experten viel gewinnen, aber auch viel verlieren. "Wenn er das an die Wand fährt, ist er komplett gescheitert", sagte Moon Chung In, Berater des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In, in einem Interview von tagesschau.de. Trump habe "Nahost aufgemischt, den Iran-Deal vertan und keine Antworten in Afghanistan", sagte Moon. Mit Blick auf die Zwischenwahlen im November in den USA fügte er hinzu: "Er will endlich einen Erfolg."

Bei dem am Dienstag beginnenden Gipfel in Singapur will Trump das kommunistische Regime Nordkoreas dazu bewegen, vollständig atomar abzurüsten. Aus seiner Sicht gehe es dabei um "Atombomben und Langstreckenraketen", sagte Moon. Hier könne er sich vorstellen, dass Kim zu einer solchen Zusage bereit sei. "Für welche Konzession? Die Anerkennung Nordkoreas. Oder das formale Kriegsende. Oder ein Nichtangriffspakt", so der Präsidentenberater. "Am Ende, nach Abrüstung und Verifikation, könnten dann normale Beziehungen stehen."

Anders als Trump sei Kim nicht auf sofortige Erfolge angewiesen, meinte der Experte. Zwar könne auch er in seinem Land unter Druck geraten, "vor allem beim Militär". Allerdings habe Kim mehr Zeit als Trump: "Ihm droht kein Machtverlust."

Auf die Frage, warum Kim einem Verhandlungspartner vertrauen sollte, der nicht dafür bekannt sei, dass ihm viel an Verträgen liege, sagte Moon: "Wenn Trump Zusagen macht und sie ohne gute Gründe wieder bricht, würden Südkorea, China und Russland Nordkorea sicherlich beistehen. Da entstünde viel Druck."/bi/DP/zb