DÜSSELDORF (dpa-AFX) – Berufstätige Mütter in Deutschland haben einer Studie zufolge in der Corona-Krise deutlich häufiger ihre Arbeitszeit für die zusätzliche Kinderbetreuung reduziert als Väter. Weil Frauen darüber hinaus im Zuge von Kurzarbeit häufiger von Einkommenseinbußen betroffen seien als Männer, seien sie in durch die Auswirkungen der Pandemie doppelt getroffen, warnen die Forscherinnen in einer am Donnerstag vorgestellten Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Sie fürchten, Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern, aber auch zwischen einkommensstarken und -schwachen Familien könnten in der derzeitigen Lage verschärft werden.

Grundlage für den Befund ist eine Befragung von mehr als 7500 im Hinblick auf Geschlecht, Alter, Bildung und Bundesland repräsentativ ausgewählte Personen in der ersten April-Hälfte. Demnach haben in Haushalten mit Nachwuchs unter 14 Jahren 27 Prozent der Frauen, aber nur 16 Prozent der Männer ihre Zeit im Job reduziert, um Kinder zu versorgen, die zeitweilig nicht in Kita oder Schule können.

Dahinter stecke ein altbekanntes Ungleichgewicht: Da Paare versuchten, ihre wirtschaftlichen Einbußen so gering wie möglich zu halten, verzichte das Elternteil mit geringerem Lohn auf Arbeitsstunden – meist eben die Frau. Je niedriger dabei das Haushaltseinkommen, desto deutlicher sei die Kluft.

Zudem schleiche sich in vielen Familien unter dem gegenwärtigen Belastungsdruck von Kurzarbeit und einem mehr als Kinderbetreuung wieder eine Rückkehr zu klassischen Rollenmodellen ein, in denen die Mutter die Hauptlast schultert: Nur rund 60 Prozent von den Paaren mit Kindern, die vor der Corona-Krise angaben, Sorgearbeit für die Familie fair geteilt zu haben, tun dies auch während der Krise./fld/DP/stk