BERLIN (dpa-AFX) – Der Ostbeauftragte des SPD-Vorstands, Martin Dulig, hat Juso-Chef Kevin Kühnert gegen Kritik an dessen Sozialismus-Thesen verteidigt. "Kühnert einen Rückfall in den "real existierenden Sozialismus" vorzuwerfen, ist eine Verharmlosung des DDR-Unrechts und unredlich gegenüber den Menschen, die in den ostdeutschen Bundesländern darunter gelitten haben", sagte der sächsische Landesparteichef dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag).

"Im Kern geht es darum, unkontrollierte Märkte wieder in den Dienst des Gemeinwohls zu stellen." Das sei der Ursprungsgedanke der sozialen Marktwirtschaft, der im globalen Kapitalismus zu wenig zum Tragen komme, erklärte Dulig. "In dieser Hinsicht ist die angestoßene Debatte notwendig und überfällig, weil es auch um den Erhalt unserer sozialen Demokratie geht." Eine Enteignung von BMW sei zwar "Quatsch", aber die Rekommunalisierung von Stadtwerken oder Wohnungsbaugesellschaften seien richtige Ansätze. "Es gibt Lebensbereiche, in denen hat der Markt nichts zu suchen oder darf nicht die bestimmende Kraft sein."

Kühnert als Chef der SPD-Nachwuchsorganisation fordert die Kollektivierung großer Unternehmen und hatte erklärt: "Mir ist weniger wichtig, ob am Ende auf dem Klingelschild von BMW "staatlicher Automobilbetrieb" steht oder "genossenschaftlicher Automobilbetrieb" oder ob das Kollektiv entscheidet, dass es BMW in dieser Form nicht mehr braucht."

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte ihm "Geschichtsunkenntnis" vorgeworfen. Die Kollektivierung von Betrieben habe die DDR trotz gut ausgebildeter Fachleute in die ökonomische Katastrophe und kurz vor den Bankrott geführt./and/DP/he