BARCELONA (dpa-AFX) – Das umstrittene Unabhängigkeits-Referendum in Katalonien ist nach einem von Polizeigewalt überschatteten Tag zu Ende gegangen. Nach elf Stunden schlossen die Wahllokale nach Mitteilung der Regionalregierung in Barcelona wie vorgesehen um 20.00 Uhr (MESZ). Der Sprecher der Generalitat (Regionalregierung), Jordi Turull, versicherte allerdings, dass diejenigen Wähler, die zur Schließung der Lokale noch in den Schlangen stünden, ihre Stimme würden abgeben dürfen. Die Auszählung werde einige Zeit in Anspruch nehmen, betonte er.

Die Regionalregierung von Carles Puigdemont zog die Abstimmung am Sonntag trotz eines Verbots durch das Verfassungsgericht und gegen den Widerstand der Zentralregierung in Madrid durch. Die staatlichen Polizeieinheiten Guardia Civil und Policía Nacional gingen zum teil mit brutaler Härte gegen friedliche Wähler und Demonstranten vor. Nach jüngsten Zahlen des regionalen Gesundheitsministeriums wurden mindestens 465 Bürger verletzt, einige davon schwer. Es gab auch zwölf verletzte Polizisten.

In einer ersten Bilanz sagte Turull am Sonntagabend, trotz der Maßnahmen der spanischen Staatspolizei zur Verhinderung der Abstimmung seien von den vorgesehenen 2315 Wahllokalen nur 319 geschlossen geblieben. Die betroffenen Wähler sollten aber auf ein anderes Lokal ausweichen. "Wenn es einen Tag gibt, an dem die Stimmabgabe Sinn macht, dann ist es der heutige", sagte er. Die "Unterdrückung durch den spanischen Staat" kritisierte Turull als "Schande Europas" und als "internationalen Skandal". Die Regierung kündigte unterdessen an, Ministerpräsident Mariano Rajoy werde gegen 20.15 (MESZ) vor die Presse treten./DP/men