MELBOURNE (dpa-AFX) – Der Handelsstreit zwischen den USA und China könnte nach Auffassung der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) vom Waren- auf den Dienstleistungssektor überspringen. "Das liegt daran, dass China kaum noch Raum hat für Vergeltungsmaßnahmen im Warenhandel", teilte S&P am Dienstag in Melbourne mit.

Zurzeit habe China Importzölle auf amerikanische Waren im Wert von 50 Milliarden US-Dollar angekündigt und drohe zudem damit, weitere Güter im Wert von 60 Milliarden Dollar mit Zöllen zu belegen. Zusammen seien das etwa 85 Prozent aller amerikanischen Einfuhren nach China. Demgegenüber hätten die USA gerade mal 50 Prozent aller chinesischen Einfuhren in die USA mit Zöllen belegt oder zumindest damit gedroht, diese zu bezollen.

China könnte sich daher dazu gezwungen sehen, anstatt der Erhebung von Zöllen sogenannte nichttarifäre Maßnahmen zu ergreifen. Diese könnten entweder den Dienstleistungssektor oder Investitionen aus den USA betreffen, meint S&P-Analyst David Tesher.

Da die USA einen Dienstleistungsüberschuss mit China hätten, also mehr Dienstleistungen nach China verkaufen als umgekehrt, würde eine derartige Vergeltungsmaßnahme jene amerikanische Wirtschaftssektoren besonders treffen, die derzeit vom wachsenden chinesischen Binnenmarkt profitieren, prognostiziert Tesher. Angesichts einer derartigen Eskalation würden aber auch das Vertrauen in die chinesische Wirtschaft und deren Wachstumsperspektive leiden./bgf/jsl/he