PASSAU/BERLIN (dpa-AFX) – Bundesagrarminister Christian Schmidt rechnet nach eigenem Bekunden nicht damit, dass sein Glyphosat-Alleingang die Gespräche über eine große Koalition nachhaltig belastet. "Ich denke nicht, dass eine Zustimmung oder Enthaltung zu Glyphosat das Zünglein an der Waage einer großen Koalition sein wird. Wir stehen vor weitaus wichtigeren Herausforderungen, die es gemeinsam zu lösen gilt", sagte der CSU-Politiker der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstag). "Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir auch in einer möglichen Neuauflage der großen Koalition wieder zu einer guten Basis für eine Zusammenarbeit finden werden."

Deutschland hatte am Montag in Brüssel auf Geheiß des CSU-geführten Agrarministeriums für eine weitere EU-Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat gestimmt – gegen den ausdrücklichen Willen der SPD und Umweltministerin Barbara Hendricks. SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles nannte das Votum einen "schweren Vertrauensbruch", Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht darin einen Verstoß gegen die Geschäftsordnung der Bundesregierung.

Zur Frage, ob CSU-Chef Horst Seehofer seinen Alleingang unterstützt habe, wollte sich Schmidt in dem Interview nicht äußern. Er betonte aber seinen Willen zur Wiedergutmachung: "Ich werde auf meine Kollegin Hendricks zugehen, um gemeinsam Lösungen zu finden, wie wir den Einsatz von Glyphosat in der Zukunft national restriktiver gestalten können", so der Minister. "Ich bin zuversichtlich, dass wir hier zusammen einen Weg finden."/wn/DP/zb