WASHINGTON/PEKING/SEOUL (dpa-AFX) – Trotz mangelnder Fortschritte bei seinen Bemühungen um atomare Abrüstung in Nordkorea will US-Präsident Donald Trump die ausgesetzten Militärmanöver mit Südkorea derzeit nicht wieder aufnehmen. Es gebe keinen Grund, "große Summen Geld für gemeinsame US-Südkorea-Kriegsspiele auszugeben", teilte Trump am Mittwoch (Ortszeit) auf Twitter mit. Er warnte zugleich, er könne die von Nordkorea als Provokation empfundenen Manöver sofort wieder aufnehmen – diesen würden dann "viel größer als jemals zuvor".

Trump machte erneut China für die mangelnden Fortschritte verantwortlich. Eine eigene Verantwortung thematisierte er nicht.

US-Verteidigungsminister James Mattis hatte im Gegensatz zu Trump erst am Dienstag erklärt, es gebe momentan keine Pläne für ein weiteres Aussetzen der Manöver vor der koreanischen Halbinsel. Am Tag darauf verschickte das Pentagon allerdings eine Mitteilung von Mattis, wonach in dieser Hinsicht noch keine Entscheidung getroffen sei.

Der Verzicht auf die Manöver war eine der Konzessionen, die Trump dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un nach dem gemeinsamen Gipfel am 12. Juni in Singapur angeboten hatte. Das Pentagon teilte mit, seit dem Gipfeltreffen habe sich die Haltung der USA nicht geändert.

Trump erklärte am Mittwoch, er sei "der entschiedenen Ansicht, dass Nordkorea wegen unseres großen Handelsstreits mit der chinesischen Regierung unter enormem Druck Chinas steht. Gleichzeitig wissen wir, dass China Nordkorea bedeutsame Hilfe liefert, einschließlich Geld, Treibstoff, Dünger und verschiedener anderer Güter. Das ist nicht hilfreich!" Er glaube trotzdem, dass seine Beziehung zu Kim "eine sehr gute und warme ist". Es gebe keinen Grund, "große Summen Geld für gemeinsame US-Südkorea-Kriegsspiele auszugeben". Trump betonte auch seine "sehr starke" Beziehung zu Chinas Präsident Xi Jinping.

China wies die Anschuldigung Trumps am Donnerstag zurück. Hua Chunying, eine Sprecherin des Pekinger Außenministeriums, sprach von einer "lachhaften Logik" und warf den USA vor, "Tatsachen zu verzerren". Angesichts der derzeitigen Schwierigkeiten sollten die USA "lieber über sich selbst nachdenken, statt launisch zu sein und andere verantwortlich zu machen". China hoffe, das die Amerikaner eine konstruktive Rolle bei der Beilegung der Probleme auf der koreanischen Halbinsel spielen werden.

Die Mitteilung Trumps kommt in einer Zeit wachsender Zweifel an der Ernsthaftigkeit Nordkoreas, die grundsätzlich vereinbarte atomare Abrüstung tatsächlich in Angriff zu nehmen. Außenminister Mike Pompeo sagte eine für diese Woche geplante Reise in das isolierte Land auf Geheiß von Trump ab. Der republikanische Senator Marco Rubio gab am Vortag seine Hoffnung auf eine ernsthafte Abrüstung Nordkoreas auf.

Die US-Nachrichtenseite Vox berichtete unter Berufung auf ungenannte Quellen, die USA forderten von Nordkorea die Übergabe von 60 bis 70 Prozent ihrer Atomsprengköpfe innerhalb von sechs bis acht Monaten. Nordkoreanische Unterhändler hätten das in Gesprächen mit Pompeo mehrfach abgelehnt. Das Regime in Pjöngjang habe bislang nicht einmal mitgeteilt, wie viele solcher Sprengköpfe es besitze. Nach dem bislang letzten Besuch Pompeos in Pjöngjang im Juli hatte Nordkorea der US-Verhandlungsseite eine "gangstermäßige Denkweise" unterstellt.

Trumps Sicherheitsberater John Bolton hatte Nordkorea am Dienstag vorgeworfen, die Abmachungen des Gipfels in Singapur anders als die USA nicht einzuhalten. "Wir werden maximalen Druck auf Nordkorea bis zu dessen Denuklearisierung aufrechterhalten, genauso wie wir es mit dem Iran tun", sagte er dem US-Sender Fox.

Eine Ursache der Streitigkeiten der USA mit Nordkorea ist auch, dass Trump sich entgegen aller Ratschläge von Nordkorea-Experten mit Kim in Singapur traf, ohne zuvor die Details einer nuklearen Abrüstung Nordkoreas und der Gegenleistungen der USA wasserdicht auszuhandeln. Zugleich wurde mit dem Wort Denuklearisierung, das nur sehr allgemein für atomare Abrüstung steht, ein bewusst schwammiger Begriff gewählt.

Der Sender CNN wies darauf hin, dass es zwischen beiden Parteien Streit über den von Nordkorea geforderten Friedensvertrag gebe. Die USA wollten diesen erst nach Abschluss einer atomaren Abrüstung mit Nordkorea unterzeichnen.

Die US-Regierung hatte sich offensichtlich nicht mit Südkorea abgesprochen, bevor Trump über die Aussetzung der Militärmanöver twitterte. Eine Sprecher des südkoreanischen Präsidenten sagte am Mittwoch, bislang sei eine Fortsetzung oder weitere Suspendierung der gemeinsamen Manöver nicht besprochen worden./cy/dm/jpt/DP/tos