LUXEMBURG (dpa-AFX) – In der Eurozone hat sich der Preisanstieg im März wie erwartet beschleunigt. Gleichzeitig verbesserte sich die Lage am Arbeitsmarkt im Februar erneut. Ökonomen sehen jedoch noch keinen wachsenden Handlungsdruck für die Europäische Zentralbank (EZB).

Die Verbraucherpreise seien im März im Jahresvergleich um 1,4 Prozent gestiegen, teilte das europäische Statistikamt Eurostat am Mittwoch auf Basis einer ersten Schätzung mit. Im Februar hatte die Rate noch bei 1,1 Prozent gelegen – dies war der niedrigste Stand seit Dezember 2016. Volkswirte hatten mit dem Anstieg im März gerechnet.

Mit dem Anstieg hat sich die Inflation etwas in Richtung des Zielwerts der Europäischen Zentralbank (EZB) bewegt, die mittelfristig eine Teuerung von knapp 2 Prozent anstrebt.

Die Kernrate, bei der schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden, verharrte allerdings im März bei 1,0 Prozent. Volkswirte hatten hingegen einen Anstieg auf 1,1 Prozent prognostiziert. Die Kernrate wurde von der EZB zuletzt besonders beachtet.

"Die Inflationsrate der Eurozone liegt zwar etwas über dem Wert des Vormonats, ist aber noch immer als verhalten zu beurteilen", kommentierte Patrick Boldt, Volkswirt bei der Helaba. Damit liege das Inflationsziel weiter unter dem EZB-Zielwert. Zudem habe die Kerninflation nicht zugelegt. "Somit dürften Erwartungen einer restriktiveren Geldpolitik seitens der EZB nicht forciert werden", schreibt Boldt.

Der Arbeitsmarkt der Eurozone profitiert immer stärker vom Wirtschaftsaufschwung. Im Februar fiel die Arbeitslosenquote laut Eurostat auf 8,5 Prozent. Dies ist der niedrigste Stand seit Dezember 2008. Bankvolkswirte hatte mit dem Rückgang der Quote gerechnet. Im Januar hatte sie noch bei 8,6 Prozent gelegen. In der Eurozone erholt sich der Arbeitsmarkt seit geraumer Zeit.

Aber auch von den Arbeitslosenzahlen geht laut Ökonomen kein Druck auf die EZB aus. Volkswirtin Jessica Hinds von Capital Economics verweist auf die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. So lag die Quote in Deutschland bei 3,5 Prozent, während sie in Spanien bei 16,1 Prozent und in Italien bei 10,9 Prozent lag. "Daher wird die EZB nur sehr vorsichtig bei Zinserhöhungen vorgehen", so Hinds. Schließlich dürfte es noch einige Zeit dauern bis vom Arbeitsmarkt der Eurozone ein merklicher Lohndruck ausgehe. Capital Economics rechnet mit einer Leitzinsanhebung durch die EZB erst im September 2019.

Der Eurokurs gab nach der Veröffentlichung der Daten einen Teil seiner vorherigen Gewinne ab und fiel wieder unter die Marke von 1,23 US-Dollar./jsl/tos/das