NEW YORK (dpa-AFX) – Der wieder in den Fokus gerückte Zollstreit zwischen den USA und China bleibt am Dienstag das beherrschende Thema an der Wall Street. Der Dow Jones Industrial knüpfte am Ende der ersten Handelsstunde mit einem Abschlag von 1,27 Prozent auf 26 101,80 Punkte an seine Schwäche vom Vortag an, als er nach ersten Wogen letztlich aber nur moderat im Minus geschlossen hatte.

Auch wenn die Anleger auf die angedrohten Zollerhöhungen des US-Präsidenten Donald Trump am Vortag nicht so verschreckt reagiert hätten wie zunächst befürchtet und China die Verhandlungen weiterführen will, gelten die Sorgen am Markt als noch nicht ausgestanden. Die USA machen China für die neuerliche Eskalation verantwortlich: In den Verhandlungen bereits gemachte Zusagen seien wieder zurückgenommen worden, sagte der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer am Montag.

Auch für die übrigen New Yorker Indizes stand vor diesem Hintergrund am Dienstag im frühen Handel ein negatives Vorzeichen. Der breit aufgestellte S&P 500 gab um 1,35 Prozent auf 2892,75 Punkte nach und der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 fiel um 1,57 Prozent auf 7671,51 Zähler.

Kapitalmarktanalyst Markus Glockenmeier von der National-Bank sprach an den Märkten von einer "Verschnaufpause" und vermutet, dass die vom Handelskonflikt ausgehende Unsicherheit eine Konsolidierung auf dem zuletzt erhöhten Kursniveau begünstigt. Seiner Einschätzung nach spricht es auch gegen eine Fortsetzung der bisherigen Rally in diesem Jahr, dass der Mai üblicherweise bei Börsianern nicht als Wonnemonat angesehen wird.

Auf der Unternehmensseite dominierten die großen Industrie- und Technologiewerte wie schon am Vortag die Verliererlisten. Für die Aktien von Boeing , United Technologies , Microsoft und Apple ging es im Zuge der Zollsorgen um zwischen 1,5 und 2,3 Prozent bergab.

Eine klar positive Ausnahme im schwachen Marktumfeld waren nach Zahlen die Papiere des Versicherers AIG , bei dem die Aktionäre ein starkes Quartalsergebnis als strategischen Erfolg werteten – und mit einem fast 7-prozentigen Kursplus honorierten. Resultate gab es außerdem vom Aromen- und Duftstoffe-Hersteller IFF , dessen Aktien mit einem moderaten Plus von 1,5 Prozent ebenfalls positiv auffällig waren.

Sehr viel düsterer ist jedoch die Lage für die Mylan -Aktionäre, die am Dienstag einen Kursrutsch um 16 Prozent einstecken mussten. Der Kurs erreichte den tiefsten Stand seit 2012. Der Generikahersteller hatte die Anleger mit einer schwachen Umsatzentwicklung im ersten Quartal enttäuscht. Wie es am Markt hieß, blieb das erhoffte Signal für eine Wende damit weiter aus./tih/he