NEW YORK (dpa-AFX) – Die Kurse an der Wall Street haben sich am Mittwoch nach dem Kursrutsch vom Vortag zumindest stabilisiert. Der wieder eskalierte Zollstreit zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China ließ die Anleger aber weiter nicht los. Zeitweise sah es beim Dow Jones Industrial zwar nach einem klaren Erholungsversuch aus, zum Ende hin bekamen Investoren aber wieder kalte Füße. Der Leitindex schloss lediglich 0,01 Prozent höher bei 25 967,33 Punkten.

Weitere wichtige New Yorker Indizes beendeten den schwankenden Handelstag sogar noch im Minus. Der breit aufgestellte S&P 500 gab am Ende leicht um 0,16 Prozent auf 2879,42 Punkte nach, während der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 0,30 Prozent auf 7617,55 Zähler verlor.

Experten zufolge hängt die Unsicherheit über den Zollstreit weiter wie ein Damoklesschwert über den Börsen. Am Donnerstag sollen die Handelsgespräche in Washington fortgesetzt werden. US-Präsident Donald Trump hatte jüngst für Freitag deutlich höhere Sonderzölle auf chinesische Waren angekündigt, China drohte nun mit Vergeltung. Dies nährte weiter die Sorgen vor einer erneuten Konfrontation mit entsprechenden wirtschaftlichen Folgen.

Die in den vergangenen Tagen vom Handelsstreit belasteten Industrie- und Technologiewerte konnten sich teilweise etwas von ihren jüngsten Verlusten erholen, auch wenn sich dies für den Gesamtmarkt als nicht nachhaltig erwies. United Technologies stiegen als Dow-Spitzenreiter um 1,2 Prozent und Nike legten 0,3 Prozent zu.

Aktien von Mosaic begaben sich ebenfalls auf den Erholungspfad. Nachdem sie am Vortag noch schwer belastet wurden von Sorgen vor einem möglicherweise zu optimistischen Ausblick, ging es für sie nun um 3 Prozent bergauf. Diverse Analysten attestierten den Papieren mittlerweile eine vielversprechende Bewertung.

Im Nebenwertebereich beschäftigten in der Spätphase der laufenden US-Berichtssaison noch einige Zahlenvorlagen die Anleger. Electronic Arts überzeugte seine Anleger mit besser als erwarteten Umsätzen im zurückliegenden Quartal, die Titel des Computerspiele-Herstellers rückten an der Nasdaq um 1,2 Prozent vor.

Für den Halbleiterkonzern Microchip jedoch ging es dort wegen eines schwachen Ergebnisses um 2,8 Prozent bergab. Für die Chipbranche allgemein war es am Mittwoch kein guter Tag, Intel waren am Ende im Dow mit minus 2,5 Prozent der größte Verlierer. In einer Investorenpräsentation waren nach den kürzlich gekappten Prognosen für 2019 durchgesickert, dass der Konzern drei Jahre lang nur mit einem niedrigen einstelligen Umsatzwachstum plant.

Die Papiere von AMD jedoch waren im Halbleiterbereich an der Nasdaq mit einem Anstieg um 1,6 Prozent eine positive Branchenausnahme. Als Antreiber galt, dass das US-Energieministerium bei einem neuen Supercomputer auf die Server-Chips des Prozessorherstellers setzt.

Spektakulär ging es im Nebenwertebereich bei den Aktien der Workhorse Group zu. Zuletzt ein "Pennystock" geworden, katapultierte die Spekulation über den Kauf eines Werkes des Autobauers General Motors (GM) die Aktien immer weiter nach oben. Am Ende verdreifachten die Papiere ihren Kurs auf 2,65 Dollar. Den Anstoß gab ein Tweet von US-Präsident Donald Trump, anschließend bestätigte GM die Gespräche mit dem Nutzfahrzeughersteller. Die Papiere von GM zeigten sich derweil mit 0,8 Prozent im Minus.

Ansonsten zogen kurz vor dem noch diese Woche erwarteten Börsengang von Uber die Papiere des Konkurrenten Lyft weiter das Interesse auf sich. Dieser ist ebenfalls erst seit Kurzem an der Börse, nun aber musste er seine Anleger für das Gesamtjahr 2019 auf den bislang größten Verlust in der Firmengeschichte einstellen. Die Aktien fielen am Ende um 11 Prozent auf 52,90 Dollar, womit sie mittlerweile ein Viertel unter ihrem Ausgabepreis von 72 Dollar stehen.

US-Anleihen standen zur Wochenmitte bei Anlegern nicht hoch im Kurs. Richtungweisende zehnjährige Anleihen verloren 7/32 auf 101 7/32 Punkte. Sie rentierten mit 2,48 Prozent. Der Eurokurs hat sich derweil nur wenig bewegt. In New York wurden zuletzt 1,1190 US-Dollar für die Gemeinschaftswährung bezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zwischenzeitlich auf 1,1202 (Dienstag: 1,1185) US-Dollar festgelegt. Der Dollar kostete damit 0,8927 (0,8941) Euro./tih/stk

— Von Timo Hausdorf, dpa-AFX —