FRANKFURT (dpa-AFX) – Am deutschen Aktienmarkt ist der jüngste Abwärtstrend am Mittwoch vorerst unterbrochen worden. Im Dax ging es nach einem schwachen Wochenstart freundlicher zu, der Leitindex legte im frühen Handel 0,33 Prozent auf 11 889,01 Punkte zu. An den vergangenen beiden Tagen hatte er insgesamt 160 Zähler verloren und sich so von der Marke von 12 000 Punkten entfernt.

Der MDax gewann zur Wochenmitte 0,24 Prozent auf 25 216,48 Punkte und auch europaweit war das Bild etwas positiver als zuletzt. Der Leitindex der Eurozone EuroStoxx rückte um 0,35 Prozent auf 3429,29 Punkte vor. Im Mittelpunkt steht nun vor allem der EU-Sondergipfel mit der Frage nach der verlängerten Brexit-Frist.

Am Markt gibt es kaum noch Zweifel, dass der Termin für den britischen EU-Austritt noch einmal um etliche Monate verschoben wird. "Damit wäre ein harter Brexit zunächst vom Tisch", sagte Christian Schmidt von der Helaba. Außerdem steht zur Wochenmitte der Zinsentscheid der EZB an. Die Währungshüter der EZB tagen dieses Mal einen Tag früher als sonst üblich am Donnerstag.

Erste Impulse aussenden könnte im Tagesverlauf die Berichtssaison mit den in den USA erwarteten Ergebnissen von Delta Air Lines . Anlegern könnten diese erste Hinweise liefern, wie es für die Unternehmen im vergangenen Quartal lief. Analyst Emmanuel Cau von Barclays Research rechnet dabei mit insgesamt weniger guten Nachrichten. Er fürchtet, dass die Ergebnisse die jüngsten Konjunkturschwankungen widerspiegeln und die Ausblicke vorsichtig sein werden.

Auf Unternehmensseite begann der Handelstag in Deutschland recht ruhig. Bewegung gab es eher bei Nebenwerten – allen voran den im SDax notierten Papieren der Shop Apotheke , die wegen Kapitalmaßnahmen um 9 Prozent absackten. Der Online-Medikamentenhändler will sich frisches Geld mit einer etwa 50 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung besorgen und zusätzlich eine bestehende Wandelanleihe um rund 60 Millionen Euro aufstocken.

Ein weiterer Verlierer waren die 4 Prozent schwächeren Evotec -Aktien, in diesem Falle beeinträchtigt durch einen Analystenkommentar. Die Deutsche Bank empfiehlt die Papiere des Biotech-Unternehmens nach den jüngsten Gewinnen nicht mehr zum Kauf. Zuletzt hatten die im MDax enthaltenen Aktien ein Hoch seit 18 Jahren erreicht.

Bei der Deutschen Börse gingen die Anleger über einen vermeldeten Zukauf mehr oder weniger hinweg, die Aktie tendierte kaum verändert. Im Zuge des Kaufs von Axioma, einem Anbieter von Portfolio- und Risikomanagementlösungen, holt sich der Börsenbetreiber für das Index-Geschäft den Finanzinvestor General Atlantic mit ins Boot. JPMorgan-Experte Gurjit Kambo hält die Art und Weise, wie das Geschäft abgewickelt wird, jedoch für fragwürdig.

Hinten im Dax zu finden waren die Aktien von Eon mit einem Abschlag von 0,2 Prozent. Den Anstoß dazu gab Börsianern zufolge eine Studie des Analysehauses Mainfirst. Darin stufte Analyst Martin Tessier die Papiere auf ein negatives Votum mit "Underperform" ab. Er sorgt sich um die strategische Kapitalverwendung des Versorgers./tih/fba