PARIS/LONDON (dpa-AFX) – Die europäischen Börsen haben am Donnerstag mit Ausnahme des deutschen Aktienmarktes mit Verlusten geschlossen. Druck in die Märkte kam vor allem in den letzten 30 Handelsminuten, als die US-Börsen einen deutlicheren Abwärtskurs einschlugen. Der EuroStoxx 50 büßte 0,73 Prozent auf 3488,93 Punkte. Damit beendete der Leitindex der Eurozone den Tag nur knapp über seinem Tagestief.

Der französische Leitindex Cac 40 fiel um 0,85 Prozent auf 5538,86 Punkte. In London verlor der FTSE 100 0,46 Prozent auf 7351,31 Punkte und weitete damit seinen Vortagesverlust aus. An den anderen Börsen war am Mittwoch wegen des 1.Mai-Feiertags nicht gehandelt worden.

In den USA sei am Vortag im Zuge der Zinssitzung von einigen darauf gehofft worden, dass der Fed-Vorsitzende Jerome Powell womöglich eine Leitzinssenkung in Aussicht stellen könnte, sagten Börsianer. Da sich die US-Notenbank jedoch relativ neutral gezeigt habe und weiterhin flexibel bleiben wolle, sei dies zunächst an der Wall Street und nun auch europaweit mit verstärkten Verkäufen quittiert worden. Zudem rücke bereits der monatliche Arbeitsmarktbericht der USA in den Blick, der am Freitag veröffentlicht wird, sowie auch die immer noch laufenden Handelsgespräche zwischen den USA und China.

Unter den Einzelwerten knüpften die Aktien des österreichischen Chipherstellers AMS in Zürich mit einem Kursgewinn von etwas mehr als 10 Prozent an ihre 21-Prozent-Rally vom Dienstag an. Sie profitierten dabei von Kurszielerhöhungen einiger Analysten. Die Investmentbank Oddo BHF stufte die Papiere gar von "Neutral" auf "Buy" hoch und erhöhte das Kursziel von 30 auf 55 Franken. Am Dienstag hatte das Halbleiterunternehmen mit seinen Umsatz- und Gewinnkennziffern und einem starken Ausblick selbst die optimistischsten Erwartungen übertroffen.

Die französische Großbank BNP Paribas überraschte zum Jahresauftakt mit einem starken Geschäft im Anleihehandel. Zudem profitierte sie von einem Verkauf von Anteilen an einer indischen Versicherung. Für die Anteilscheine ging es als drittstärkster Wert im Eurostoxx-50-Index um 1,2 Prozent nach oben.

Um 0,5 Prozent sanken dagegen die Papiere der niederländischen Bank ING . Sie hatte im ersten Quartal wegen einer gestiegenen Vorsorge für Kreditausfälle weniger als ein Jahr zuvor verdient. Zu Berichten über ein mögliches Interesse an der Commerzbank äußerte sich das Management nicht konkret, tat aber auch nichts, um die Spekulationen aus der Welt zu schaffen.

Im FTSE 100 zählten die Aktien von Shell zu den größten Gewinnern mit knapp unter 2 Prozent. Trotz niedrigerer Ölpreise im ersten Quartal und eines geringeren Steuerfreibetrags hatte der Öl- und Gaskonzern mehr verdient als erwartet. Die im schweizerischen SMI-Index vertretenen Geberit-Aktien schnellten nach starken Zahlen des Sanitärtechnik-Anbieters um 7,4 Prozent nach oben./ck/he