PARIS/LONDON (dpa-AFX) – Europas Aktienmärkte haben sich zum Wochenbeginn schwer getan. Nachdem die Kurse im frühen Montagshandel noch kräftig zugelegt hatten, schlossen die großen Börsenindizes mit nur moderaten Gewinnen. "Geopolitische Spannungen dominieren weiter die Nachrichtenlage, nachdem die USA Sanktionen gegen Russland erlassen haben", begründete David Madden vom Broker CMC Markets den verhaltenen Wochenstart. Der EuroStoxx 50 legte um 0,20 Prozent auf 3414,85 Punkte zu.

Die USA hatten am Freitag Dutzende russische Geschäftsleute und Firmen, denen enge Verbindungen zum Kreml nachgesagt werden, auf eine Schwarze Liste gesetzt. Washington begründete den Schritt mit dem "wachsenden Muster bösartiger Aktivitäten Russlands in der Welt". Der Moskauer Leitindex brach daraufhin um mehr als 11 Prozent ein. Die russische Regierung will nun die heimischen Unternehmen vor den Folgen der neuen Sanktionen schützen. "Das trübt die ohnehin schon düstere weltpolitische Lage noch mehr ein", sagte Madden.

Der CAC 40 schloss in Paris 0,10 Prozent höher bei 5263,39 Punkten. Der Londoner FTSE 100 gewann 0,15 Prozent auf 7194,75 Zähler.

Zu den Gewinnern zählten die Aktien der Deutschen Bank mit einem Kursplus von 1,16 Prozent. Der glücklose Vorstandschef John Cryan wird vom bisherigen Vize Christian Sewing abgelöst. Allerdings ebbte die Euphorie der Anleger im Verlauf des Tages merklich ab: Im frühen Handel waren die Papiere noch um fast 5 Prozent nach oben geschnellt. Der europäische Bankensektor verbuchte ein Plus von 0,36 Prozent.

In Zürich standen die Novartis-Aktien wegen eines Zukaufs im Blick. Der schweizerische Pharmakonzern will mit der milliardenschweren Übernahme des US-Unternehmens Avexis seine Position am amerikanischen Markt für Gentherapien stärken. Papiere von Novartis gaben leicht nach.

In London rückten die Aktien von Rolls-Royce um 1,24 Prozent vor. Im Zuge der Umstrukturierung verkauft der zum Konzern zählende Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems seine Tochterfirma L’Orange für 700 Millionen Euro an den US-Konzern Woodward.

Ein auffällig großer Verlierer im FTSE 100 waren die Aktien des russischen Stahlherstellers Evraz – mit Sitz und Notierung in London. Sie brachen um fast 15 Prozent ein, was am Markt mit den neuen US-Sanktionen gegen russische Unternehmen begründet wurde. An dem zweitgrößten russischen Stahlhersteller ist der Oligarch Roman Abramowitsch beteiligt ist.

Gebremst wurde der britische Leitindex FTSE 100 auch von schwachen Rohstoffwerten, die dort stark gewichtet sind. Angeführt wurde die negative Branchentendenz im Minenbereich von den Glencore-Aktien mit einem Kursverlust von mehr als 3 Prozent. CMC-Analyst David Madden begründete die Branchenschwäche mit dem Handelskonflikt zwischen den USA und China, dem weltweit größten Rohstoffimporteur./bek/he