PARIS/LONDON (dpa-AFX) – Der wieder eskalierende Zollstreit zwischen den USA und China hat am Montag die europäischen Börsen auf Talfahrt geschickt. Der EuroStoxx konnte sein anfängliches Minus von mehr als 2 Prozent zwar abbauen, schloss aber immer noch 1,13 Prozent tiefer bei 3462,95 Punkten. Für den Cac 40 ging es in Paris um 1,18 Prozent abwärts auf 5483,52 Punkte. In London blieb die Börse feiertagsbedingt geschlossen.

Anleger reagierten am Montag weltweit erschrocken darauf, dass US-Präsident Donald Trump im Zollstreit mit China wegen stockender Gespräche offenbar die Geduld verliert. Am Sonntag drohte er wegen mangelnder Fortschritte damit, bereits bestehende Sonderzölle für Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar ab Freitag von 10 auf 25 Prozent anzuheben.

"Die neuen US-Zölle könnten jetzt der Auslöser für eine nachhaltige Trendwende am ohnehin überkauften und überbewerteten Aktienmarkt sein", befürchtet Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners. Andere Börsianer warnten aber davor, den Kursrutsch überzubewerten. Nach dem steilen Anstieg in diesem Jahr sei ein korrigierender Rückschlag im Grunde überfällig gewesen, hieß es.

In der Branchenwertung verbuchten die 19 europäischen Teilindizes allesamt Verluste. Während sich die als defensiv geltende Lebensmittelbranche mit einem Abschlag von 0,01Prozent am besten schlug, gab der Autosektor mit über 2 Prozent Minus am deutlichsten nach. Die französischen Zulieferer Valeo und Faurecia erlitten hier mit bis zu 5 Prozent die größten Verluste.

Auch weitere stark vom asiatischen Markt abhängige Branchen wie Chemie, Technologie oder auch Luxusgüter zählten zu den großen Verlierern. BASF und STMicroelectronics büßten jeweils um die 5 Prozent ein. Im Luxusgüterbereich waren LVMH und Kering mit Abgaben von 3 beziehungsweise 2,5 Prozent weit hinten zu finden im EuroStoxx.

Ein nachrichtlich begleiteter Verlierer waren die Aktien von Total mit einem Kursrutsch um 2,4 Prozent. Der Ölkonzern hatte sich mit dem US-Unternehmen Occidental darauf geeinigt, Geschäftsteile in Ghana, Mosambik, Algerien und Südafrika zu übernehmen, sofern Occidental den Übernahmekampf um den Ölförderer Anadarko gewinnt.

Die Anteilscheine von ArcelorMittal gingen außerdem in Paris mit 2,4 Prozent in die Knie – und litten dabei unter Aussagen zu geplanten Produktionskürzungen. Begründet wurden diese vom Stahlkonzern mit einer schwächelnden Nachfrage.

Ansonsten blieb es bei Einzelwerten am Montag noch recht nachrichtenarm. Erst ab Dienstag legen europäische Konzerne wieder verstärkt ihre Geschäftsberichte vor. Dass in Zürich die Kurse von UBS und von ABB sehr schwach aussahen, war vor allem den Dividendenausschüttungen an diesem Tag geschuldet./tih/he