PARIS/LONDON/MADRID (dpa-AFX) – Europas Börsen haben am Dienstag zugelegt. Marktteilnehmer verwiesen auf die Entspannung der politischen Lage in Katalonien. Dort legte der Leitindex unter den großen Börsenplätzen am stärksten zu. "Die europäischen Aktienmärkte profitieren von der etwas entspannteren politischen Lage in Spanien", schrieb der Analyst David Madden vom Broker CMC Markets in einem Kommentar. Der spanische Ibex stieg um 0,74 Prozent und baute damit die kräftigen Gewinne vom Vortag noch aus.

Der in Spanien angeklagte katalanische Ex-Regionalpräsident Carles Puigdemont hat sich nach Brüssel abgesetzt und will seine Politik aus der EU-Hauptstadt vorantreiben. Das spanische Verfassungsgericht hat unterdessen die am Freitag verabschiedete Unabhängigkeitserklärung Kataloniens vorläufig ausgesetzt.

Mit Blick auf die Unternehmen wurde das Geschehen von der Bekanntgabe neuer Quartalszahlen geprägt. Diese fielen wie bei Airbus und BP überwiegend positiv aus und stützten somit ebenfalls die Aktienmärkte. Der EuroStoxx 50 legte um 0,32 Prozent auf 3673,95 Punkte zu und erreichte den höchsten Stand seit August 2015. Der französische CAC-40 stieg um 0,18 Prozent auf 5503,29 Zähler. An der Londoner Börse rückte der FTSE 100 um 0,07 Prozent auf 7493,08 Zähler vor.

Bei den Einzelwerten zeigten sich Airbus-Titel mit einem Kursplus von 3,59 Prozent auf 87,75 Euro in starker Form. Zuvor hatten sie bei 89,12 Euro ein Rekordhoch erreicht. Im dritten Quartal war es für den Luftfahrt- und Rüstungskonzern trotz vieler Schwierigkeiten besser als von Analysten erwartet gelaufen. Ein Korruptionsverdacht und Triebwerksprobleme bei den Mittelstreckenjets halten Airbus zwar weiterhin in Atem – an der Börse hinterließ dies aber kein Spuren.

Der Ölkonzern BP hatte im dritten Quartal dank des zuletzt wieder höheren Ölpreises operativ erheblich mehr verdient und die Prognosen von Experten deutlich übertroffen. Zudem fühlt sich der Konzern nach Jahren der tiefen Krise mit Milliardenkosten für die "Deepwater Horizon"-Katastrophe im Golf von Mexiko sowie dem Ölpreisverfall finanziell wieder stark genug, um eigene Aktien zurückzukaufen. Dies gab den Papieren, die sich schon seit Ende August im Aufwind befinden, weiteren Auftrieb. Sie kletterten um 1,71 Prozent nach oben.

Die französische Großbank BNP Paribas hatte im dritten Quartal wie die Konkurrenz mit der Flaute an den Kapitalmärkten gekämpft. Die Erträge waren wegen eines schwachen Geschäfts an den Finanzmärkten zurückgegangen und der Gewinn war nur dank des Börsengangs der indischen Lebensversicherungstochter gestiegen. Die BNP-Anteilscheine fielen um 2,67 Prozent.

Europas größter Billigflieger Ryanair will trotz zigtausender Flugstreichungen wegen fehlender Piloten nicht an seiner Gewinnprognose rütteln. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2018 erwartet Airline-Chef Michael O’Leary weiterhin einen Überschuss von 1,4 bis 1,45 Milliarden Euro. Während Rückerstattungen und Entschädigungen für jene von Flugstreichungen betroffene Passagiere das Ergebnis belasten dürften, erwartet Ryanair, dass die Ticketpreise im Winter nicht ganz so stark fallen wie zuletzt gedacht. Die Ryanair-Papiere gewannen 6,39 Prozent.

Die WPP-Aktien trotzten an der Londoner Börse einer weiteren Umsatzwarnung des weltgrößten Werbekonzerns und gewannen 3 Prozent. WPP hatte wegen der Zurückhaltung wichtiger Kunden aus der Konsumgüterindustrie die Ertragsprognose für 2017 erneut gesenkt. Die WPP-Führung hatte ihre Wachstumserwartung bereits im Sommer reduziert und damit die Talfahrt der Aktie forciert.

Der Windkraftanlagen-Hersteller Siemens Gamesa hat einen Großauftrag aus den USA erhalten. Das deutsch-spanische Gemeinschaftsunternehmen wird den Angaben zufolge 310 Turbinen für verschiedene Windparks in den Vereinigten Staaten liefern, die bis zu 240 000 Haushalte mit Strom versorgen sollen. Den Auftragswert bezifferte Siemens Gamesa auf 663 Millionen US-Dollar. Die Aktie stieg an der Madrider Börse um 6,05 Prozent./bek/he