MÜNCHEN (dpa-AFX) – Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober weiter eingetrübt. Das Ifo-Geschäftsklima sei um 0,9 Punkte auf 102,8 Zähler gefallen, teilte das Forschungsinstitut am Donnerstag in München mit. Dies ist der zweite Rückschlag in Folge. Analysten hatten im Schnitt nur einen Rückgang auf 103,2 Punkte erwartet. "Die weltweiten Unsicherheiten bremsen die deutsche Wirtschaft aus", kommentierte Ifo-Chef Clemens Fuest die Daten.

Die befragten Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen für das nächste halbe Jahr schlechter als im September. Einen besonders deutlichen Dämpfer meldete das Ifo-Institut bei der Stimmung in den Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes. Hier wurde die aktuelle Lage so schwach wie zuletzt im März 2017 eingeschätzt. Einer der Gründe sei eine enttäuschende Entwicklung der Auftragseingänge. Die monatliche Umfrage des Ifo-Instituts unter etwa 9000 Unternehmen gilt als das wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft.

"Der Reigen der schlechten Konjunkturnachrichten setzt sich fort", kommentierte Chefvolkswirt Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg. Zuvor war bereits ein an den Finanzmärkten stark beachteter Indikator des britischen Forschungsinstituts Markit für die Stimmung in den deutschen Chefetagen enttäuschend ausgefallen. Nach Einschätzung von Burkert wirken Belastungen für die Konjunktur derzeit stärker als die ebenfalls vorhandenen Auftriebskräfte.

Zuletzt hatten sich zahlreiche Faktoren gezeigt, die den Aufschwung in Deutschland bremsen. Hierzu zählt der Handelsstreit zwischen den USA und China, der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU und die Folgen des Diesel-Abgasskandals für die deutsche Autoindustrie.

Eine Ausnahme bildete das deutsche Bauhauptgewerbe. In diesem Segment erreichte das vom Ifo-Institut ermittelte Geschäftsklima einen neuen Rekordwert. Die Bauunternehmen haben demnach ihre aktuelle Geschäftslage deutlich besser eingeschätzt, allerdings hätten sie ihre Erwartungen leicht nach unten korrigiert.

Auch der Chefvolkswirt der VP-Bank, Thomas Gitzel, stellt die Ifo-Umfrage in eine Reihe mit zuletzt enttäuschenden Konjunkturdaten. "Die deutsche Wirtschaft schlittert in eine Schwächephase", warnte Gitzel. Seiner Einschätzung nach deuten die Ifo-Daten außerdem darauf hin, dass die konjunkturelle Schwächephase noch etwas länger andauern werde./jkr/bgf/fba