BERLIN (dpa-AFX) – Die deutsche Wirtschaft sieht die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA mit Sorge und hofft auf die Bundesregierung. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erklärte, mit der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump verdüsterten sich die Perspektiven für die deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen. "Jetzt sind Bundesregierung und die EU gefragt, das europäische Iran-Geschäft zu schützen und verlorenes Vertrauen wieder herzustellen", erklärte der DIHK am Dienstagabend.

"Die Unternehmen treibt die Sorge um, durch ihren Handel mit dem Iran das US-Geschäft zu verlieren", erläuterte der DIHK. "Schließlich drohen jetzt auch europäischen Unternehmen der Realwirtschaft Strafen in den USA, sollte sich zum Beispiel der iranische Geschäftspartner auf US-Sanktionslisten wiederfinden." Viele US-Sanktionen träfen deutsche Unternehmen selbst dann, wenn die EU auf Sanktionen verzichteten. Es ist zudem unklar, ob die USA Altverträgen einen Bestandschutz gäben.

Die deutsche Industrie kritisierte den US-Rückzug ebenfalls. Der Präsident des Industrieverbandes BDI, Dieter Kempf, erklärte: "Die deutsche Industrie bedauert den Rückzug der USA aus dem so mühselig und langwierig verhandelten Atomabkommen zutiefst." Jetzt müsse es der EU gelingen, mit Russland und China ein deutliches Bekenntnis zu den im Atomabkommen getroffenen Vereinbarungen abzugeben, forderte Kempf. Dabei gehe es um Glaubwürdigkeit in der Außen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik. Ein Bekenntnis zu den Vereinbarungen ist nach den Worten des BDI-Präsidenten für deutsche und europäische Unternehmen essenziell: "Unsere Unternehmen haben sich große Hoffnungen auf die Marktöffnung durch Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gemacht. Diese Aussichten sind nun eindeutig getrübt."

Der Maschinenbauer-Verband VDMA erklärte, nun sei "der Iran am Zug". "Dort muss entschieden werden, ob man das Nuklearabkommen auch unabhängig von den USA fortsetzen will – was für alle Seiten die beste Lösung wäre", erklärte der VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. "So lange die EU ihre Sanktionen gegen den Iran nicht wieder aktiviert, ist legales Irangeschäft für die deutsche Wirtschaft weiterhin möglich. Hierbei wird der VDMA seine Mitglieder weiterhin unterstützen."

Seit dem Atomabkommen im Jahr 2015 hat sich der deutsch-iranische Handel laut DIHK um 42 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro ausgeweitet. 2017 stiegen die deutschen Maschinenexporte in den Iran laut VDMA um gut 21 Prozent auf 901 Millionen Euro. China lieferte Maschinen für 2,3 Milliarden Euro. Die Entwicklung sei kaum prognostizierbar, erklärte der VDMA. "Das Hauptproblem im Iran-Geschäft ist und bleibt die Zurückhaltung der Banken in der Finanzierung und Abwicklung von Geschäften." Nötige Kredite seien auf dem internationalen Finanzmarkt derzeit nicht erhältlich./hn/DP/zb