BERLIN (dpa-AFX) – Die Forschungsgruppe Wahlen wertet die Hessen-Wahl als "Votum für schwarz-grüne Regierungskontinuität mit deutlich mehr grünem Anstrich". 49 Prozent seien für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit von Union und Grünen, 33 Prozent dagegen. "Dagegen wird eine große Koalition inzwischen sogar stärker abgelehnt als sämtliche denkbaren Drei-Parteien-Bündnisse, gegen die es in Hessen ebenfalls mehr oder weniger große Vorbehalte gibt." Die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios, Bettina Schausten, sagte am Sonntagabend: "Die neue Regel: Grün frisst Rot."

Für die Verluste von CDU und SPD in Hessen bei der Landtagswahl sehen die Experten auch starken Gegenwind aus Berlin als Grund. "Die Arbeit der Bundesregierung wird erstmals seit Jahren bei einer Landtagswahl negativ bewertet; 60 Prozent meinen, die große Koalition schade in Hessen der CDU und 54 Prozent meinen, sie schade hier der SPD."

Insbesondere der CDU fehle der "Merkel-Bonus", den sie noch vor fünf Jahren hatte. "Vor Ort können beide Parteien nur bedingt mit politischen Leistungen, Spitzenpersonal oder Sachkompetenzen überzeugen."

Starke Konkurrenz kommt von den Grünen, für die sich laut Forschungsgruppe viele Wähler kurzfristig entschieden haben. Für 69 Prozent der Befragten stehen die Grünen in Hessen "für eine moderne, bürgerliche Politik". Für ihre Arbeit in der bisherigen schwarz-grünen Koalition bekommen die Grünen demnach die besseren Noten als die CDU. Zudem stellen sie mit Tarek Al-Wazir den beliebtesten Spitzenpolitiker Hessens.

CDU und SPD stützen sich stark auf ältere Wähler, allerdings mit Verlusten. "In der beteiligungsstarken und großen Wählergruppe der ab 60-Jährigen kommt die CDU auf 35 Prozent (minus elf) und die SPD auf 27 Prozent (minus acht)." Bei Wählern unter 60 liegen die Grünen auf Augenhöhe mit der CDU, bei Wählern mit hohen Bildungsabschlüssen sind sie klar stärkste Partei.

Beim in Hessen wichtigsten Thema Bildung und Schule trauen die Wähler CDU und SPD deutlich mehr zu als den Grünen. Beim zweitwichtigsten Bereich Wohnungsmarkt kann die SPD punkten, bei der Verkehrspolitik die Grünen. "Bei "Flüchtlinge und Asyl" wird nach gewohnten Mustern auch die AfD stärker sichtbar, wobei das Thema weit weniger häufig als im Bund oder zuletzt in Bayern als Problem gesehen wird: Für 70 Prozent der Wähler kann Hessen die vielen Flüchtlinge verkraften./jal/hrz/DP/he