LA MALBAIE (dpa-AFX) – Bundeskanzlerin Angela Merkel geht trotz des tiefgreifenden Streits mit den USA nicht von einem kompletten Scheitern des G7-Gipfels in Kanada aus. Sie rechne nach menschlichem Ermessen damit, dass eine offizielle Abschlusserklärung verabschiedet werde, sagte Merkel am Samstag am Rande des G7-Gipfels der sieben großen Industrienationen im kanadischen La Malbaie. Die Staats- und Regierungschefs hätten grundsätzlich vereinbart, dass es ein gemeinsames Kommuniqué geben soll. Dies war zuvor infrage gestellt worden, da bei wichtigen Themen keine Einigung mit den USA gefunden werden konnte.

Merkel ergänzte, sie gehe davon aus, dass es auch einen gemeinsamen Text mit den USA zum Thema Handel gebe. Dies löse aber nicht die Probleme im Detail. Da herrschten zwischen den USA und der EU unterschiedliche Auffassungen. Es sei verabredet worden, die Dinge zu bewerten. "Aber diese unterschiedlichen Auffassungen sind nicht aus der Welt." Insofern stehe noch manche konkrete Diskussion bevor, "bei der wir von der europäischen Seite glauben, dass wir uns entsprechend der internationalen Regeln verhalten". Die europäischen G7-Partner seien bereit, in weitere Gespräche einzutreten.

Unter anderem der Handelsstreit mit den USA und die von Trump verhängten Strafzölle hatten die Beratungen beim G7-Treffen massiv belastet. Aber auch im Kampf gegen Plastikmüll in den Ozeanen verweigerten die USA den anderen G7-Staaten die Gefolgschaft. Im Gegensatz zu allen anderen Partnerstaaten hätten sich die USA nicht verpflichten wollen, bis 2030 eine Wiederverwertbarkeit von Plastikabfall sicherzustellen, sagte Merkel.

Trump hatte zuvor die Runde wie angekündigt vorzeitig verlassen. Er reiste direkt zu dem am Dienstag in Singapur geplanten Treffen mit den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un ab./bk/aha/DP/he