HAMBURG (dpa-AFX) – Der Hamburger Hafen muss in diesem Jahr mit einem deutlichen Rückgang des Güterumschlags rechnen. Wegen der Corona-Krise sind von März bis Juni rund 80 Containerschiffe gestrichen, die in den Fahrplänen der Reedereien eingeplant waren, teilte die Marketing-Organisation des Hafens am Freitag in Hamburg mit. In den ersten drei Monaten dieses Jahres verringerte sich der gesamte Güterumschlag des Hafens gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 7,9 Prozent auf 31,9 Millionen Tonnen. Der wichtige Containerumschlag ging um 6,6 Prozent auf 2,2 Millionen Standardcontainer (TEU) zurück.

Der Einfluss des Coronavirus zeigt sich auch beim Blick auf die einzelnen Fahrtgebiete. Der Umschlag mit China, dem mit Abstand größten Handelspartner des Hamburger Hafens, verringerte sich um 14,6 Prozent. Dagegen legte der Umschlag mit den USA um 20,7 Prozent zu. Im vergangenen Jahr waren einige Containerlinien nach Nordamerika zum Hamburger Hafen verlegt worden und haben damit die USA auf den zweiten Platz unter den Partnerländern geführt.

In China war das Coronavirus zuerst aufgetreten und hatte bereits im Januar und Februar zu Produktionsstilllegungen und weniger Schiffsabfahrten geführt, die sich dann ab März im Hamburger Hafen bemerkbar machten. Inzwischen ist die Produktion wieder angelaufen und schon ab Ende Juni könnten wieder mehr Container den Hafen erreichen.

Für die weitere Entwicklung des Hafens wollten sich die beiden Geschäftsführer der Marketing-Gesellschaft, Ingo Egloff und Axel Mattern, nicht festlegen. Es sei bislang gelungen, die Funktionsfähigkeit des Hafens voll aufrecht zu erhalten, sagte Mattern. "Der Handel wird nicht zum Erliegen kommen." Über die Organisation ihrer Lieferketten müssten die Unternehmen entscheiden.

Etwas näher ließ sich Jens Meier ein, der Geschäftsführer der Hafenbehörde HPA. Er referierte über Schätzungen und Hochrechnungen, die angestellt worden seien, und erwähnte dabei eine Prognose mit einem Minus von 11,4 Prozent für das Gesamtjahr. "Wenn wir besser sind, ist das ein Erfolg", sagte Meier. Die Welthandelsorganisation WTO hat für dieses Jahr einen Rückgang des Welthandels von mindestens 13 Prozent vorherhergesagt, im schlechtesten Fall von 32 Prozent. "Wir versuchen, uns nur auf das zu konzentrieren, was wir beeinflussen können", sagte Meier. Es gelte, den Hafen leistungsfähiger zu machen, weitere logistische Angebote und Industriebetriebe in den Hafen zu holen und so den Hafen zu diversifizieren.

Im übrigen seien die Arbeiten zur Anpassung der Fahrrinne in vollem Gang und sollten auf Hamburger Gebiet bis September abgeschlossen werden. Damit könnten die Reedereien ohne Mehrkosten bis zu 1000 Container pro Schiff zusätzlich in den Hafen bringen. Das werde dem Hamburger Hafen zugute kommen, wenn die Corona-Krise überstanden sei./egi/DP/mis