PARIS (dpa-AFX) – Der Chef der französischen Notenbank, Francois Villeroy de Galhau, hält eine Erhöhung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB) "einige Quartale" nach dem Ende der Anleihekäufe für wahrscheinlich. Die offizielle Formulierung der EZB, dass die Anhebung eine geraume Zeit nach dem Ende der Käufe erfolge, bedeute jedoch nicht, dass es sich um Jahre handle, sagte Villeroy de Galhau am Montag in Paris. Er entscheidet als EZB-Ratsmitglied mit über Geldpolitik.

Die EZB will ihre monatlichen Anleihekäufe bis mindestens Ende September 2018 fortführen. Offen ist, ob sie sie bis zum Jahresende fortsetzt. "Ob die Käufe im September oder Dezember enden, ist jedoch keine wirklich existenzielle Frage", sagt der Notenbanker.

Die Entscheidungen hängen ihm zufolge jedoch von den Erwartungen an die Inflation ab. Der Inflationstrend dürfte sich unabhängig von kurzfristigen Energiepreisschwankungen verstärken, sagte Villeroy de Galhau. Der jüngste Rückgang der Inflationsrate sei aus Sicht der EZB vorübergehend. Man erwarte, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten wieder steigt. Im April war die Inflationsrate in der Eurozone auf 1,2 Prozent zurückgefallen. Die EZB strebt auf mittlere Sicht eine Rate von knapp zwei Prozent an.

Villeroy de Galhau warnte einzelne Mitgliedsländern mit hohen Schulden. "Keine Regierung sollte erwarten, dass die geldpolitische Normalisierung verschoben wird, um den Schuldendienst in einzelnen Mitgliedsländern zu erleichtern." Derzeit will beispielsweise die sich abzeichnende neue Regierung im hochverschuldeten Italien die Ausgaben massiv nach oben fahren.

Die Kurse von Staatsanleihen in der Eurozone gaben nach den Aussagen nach, und die Renditen stiegen entsprechend an. Der Euro legte nach den Aussagen zu./jsl/bgf/stw