LONDON (dpa-AFX) – Nach fast zwei Monaten strikter Ausgangsbeschränkungen sind am Mittwoch in England zahlreiche Menschen zu ihren Arbeitsstätten zurückgekehrt. Wer nicht von zu Hause aus seiner Beschäftigung nachgehen kann, soll der Regierung zufolge wieder in den Unternehmen arbeiten. Dies gilt vor allem für Angestellte in Industriebetrieben. Premierminister Boris Johnson hatte dazu aufgerufen, aber möglichst den öffentlichen Nahverkehr zu meiden.

Passagiere berichteten von teils überfüllten U-Bahnen und Bussen, wo der Sicherheitsabstand nicht einzuhalten sei. Längst nicht alle Fahrgäste trugen die empfohlenen Masken. Eine Frau berichtete, sie komme sich wie in einem "Corona-Party-Bus" vor. Auf anderen Strecken und Bahnhöfen ging es hingegen viel geruhsamer zu.

In London könnten die öffentlichen Verkehrsmittel nur ein Zehntel der üblichen Passagierzahlen aufnehmen, sagte Verkehrsminister Grant Shapps am Mittwoch in der BBC. Die Menschen müssten ausreichend Abstand zueinander halten. Auf die Frage, ob er in einen Bus oder eine U-Bahn einsteigen würde, antwortete der Minister ausweichend: "Die Menschen sollten versuchen, das zu vermeiden."

Die Lockerung der Maßnahmen war auf starke Kritik in Großbritannien gestoßen. Das Vorgehen sei verfrüht und vieles unklar, hieß es. Die Landesteile Schottland, Wales und Nordirland gehen einen strikteren Weg. Nach offiziellen Angaben hat Großbritannien die meisten Corona-Toten in Europa. Die Angaben in den unterschiedlich erhobenen Statistiken schwanken zwischen fast 33 200 und mehr als 50 000 Toten.

Auch mehr Freizeitaktivitäten sind seit Mittwoch in England erlaubt. Dazu gehören das Sonnenbad im Park, der Besuch im Gartencenter, Sportarten wie Golf, Tennis, Fischen und Reiten unter bestimmten Bedingungen sowie ein Tagesausflug mit dem Auto.

Anwohner insbesondere an den Küsten befürchten eine schnellere Virus-Verbreitung durch die Ausflügler und chaotische Verhältnisse: "Die öffentlichen Toiletten, Parkplätze und Cafés sind geschlossen – das kann nicht funktionieren", sagte eine Anwohnerin nahe Christchurch der Deutschen Presse-Agentur./si/DP/men