PEKING (dpa-AFX) – In China zeichnet sich nach der Lockerung von Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie eine sachte Erholung der Wirtschaft ab. Im April sei die Industrieproduktion im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent gestiegen, teilte das Statistikamt am Freitag in Peking mit. Analysten wurden von der Stärke des Zuwachses überrascht. Sie hatten zwar mit einer Besserung gerechnet, waren aber im Mittel nur von einem Anstieg um 1,5 Prozent ausgegangen. Während die Produktion zulegte, bleibt der Konsum der Chinesen hingegen eher schwach.

Im März war die Fertigung in den Industriebetrieben der zweitgrößten Volkswirtschaft noch gefallen. Der Rückgang war damals mit 1,1 Prozent aber vergleichsweise leicht. In anderen führenden Volkswirtschaften war die Industrieproduktion in der Corona-Krise deutlich stärker eingebrochen.

Experten verwiesen auf Konjunkturmaßnahmen der Regierung in Peking. Diese hätten bei der Industrieproduktion Wirkung gezeigt, wobei die staatlichen Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft in China im Vergleich zu ähnlichen Aktionen in der EU oder den USA eher moderat ausgefallen waren.

Weiterhin schwach zeigte sich hingegen die Lage im chinesischen Einzelhandel und bei den Investitionen. Der Einzelhandelsumsatz fiel im April zum Vorjahr um 7,5 Prozent. Im März waren die Umsätze im Einzelhandel allerdings noch deutlich stärker um 15,8 Prozent eingebrochen.

Die aktuellen Konjunkturdaten aus China zeigen nach Einschätzung von Larry Hu, Chefvolkswirt für China bei der Investmentbank Macquarie, dass die konjunkturelle Erholung nach der Corona-Krise vor allem durch das Hochfahren der Produktion und weniger durch die Nachfrage der Konsumenten gestützt werde.

Auch Analyst Hao Zhou von der Commerzbank sieht "mehrere Geschwindigkeiten" bei der Erholung der chinesischen Wirtschaft. Der Bereich Dienstleistungen hänge demnach der Erholung in der Industrie hinterher. Allgemein werde daher mit einer weiteren Finanzspritze durch die chinesische Führung gerechnet, sagte der Commerzbank-Experte.

In China nahm die Corona-Pandemie ihren Anfang, die Wirtschaft des Landes geriet früher als in anderen Ländern unter Druck. Inzwischen ist die Ausbreitung der Infektion nach Angaben der Regierung in Peking weitgehend unter Kontrolle. Da sich das Virus inzwischen aber in der EU und vor allem in den Vereinigten Staaten stark ausgebreitet hat, bekommt China die Folgen der Krise zunehmend über die Exporte zu spüren.

Im ersten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt der nach Angaben von Mitte April erstmals seit Jahrzehnten. Es fiel in den ersten drei Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 Prozent. Es ist der erste negative Wert seit mindestens 1992, als die Volksrepublik damit begann, Wachstumszahlen quartalsweise zu veröffentlichen. Der Rückgang fiel etwas höher aus als von Experten erwartet. Ein ganzes Jahr mit einer schrumpfenden Wirtschaft verzeichnete China zuletzt 1976./jkr/zb/bgf/fba