SANKT PETERSBURG (dpa-AFX) – Einen Tag vor einem wichtigen Treffen des Ölkartells Opec wird Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) in Sankt Petersburg beim deutsch-russischen "Rohstoff-Forum" erwartet. Russland ist für Deutschland der wichtigste Lieferant von Öl und Gas. Derzeit sorgt vor allem der geplante Bau einer 1200 Kilometer langen Gaspipeline durch die Ostsee für Aufsehen.

Nord Stream 2, ein Tochterunternehmen des russischen Energiekonzerns Gazprom , will mit dem Bau der Trasse bereits im Frühjahr kommenden Jahres beginnen. Eine Genehmigung von deutscher Seite sowie von weiteren Ostsee-Anrainerstaaten steht aber noch aus. Umweltschützer haben rechtliche und inhaltliche Bedenken.

Eine weitere Hürde für die deutsch-russische Wirtschaft stellen die jüngst verschärften US-Sanktionen gegen Russland dar. Davon unbeeindruckt plant die Gazprom-Tochter mit der Inbetriebnahme der Pipeline bereits 2019 – jährlich sollen dann 55 Milliarden Kubikmeter russisches Gas fließen. Auch die BASF -Tochter Wintershall ist an dem Milliardenprojekt beteiligt.

Russlands Wirtschaft ist stark von den Einnahmen aus Öl- und Gasexporten abhängig und leidet seit gut drei Jahren an einem deutlichen Preisverfall bei Öl und Gas. Im Schulterschluss mit den Mitgliedern der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) versucht Russland seit Jahresbeginn mit einer gemeinsamen Förderkürzung die Preise am Ölmarkt zu stabilisieren. Nach anfänglichen Schwankungen ging es mit den Ölpreisen seit dem Sommer tendenziell wieder nach oben. Der US-Ölpreis erreichte am Freitag bei 59,05 US-Dollar den höchsten Stand seit Mitte 2015.

Nach derzeitiger Planung soll die Förderkürzung noch bis März nächsten Jahres wirksam sein. Zuletzt gab es jedoch Medienberichte, wonach eine Verlängerung bis Ende 2018 in Aussicht steht. Der neue Beschluss soll demnach bereits auf dem nächsten Opec-Treffen am Donnerstag gefasst werden.

Bei der zweitägigen Konferenz beraten 350 Unternehmer und Experten über die bilaterale Zusammenarbeit in den Bereichen Energie und Rohstoffe. Aus Deutschland werden neben Gabriel auch der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sowie der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) erwartet./tos/DP/zb