FRANKFURT (dpa-AFX) – Die Stimmung am deutschen Aktienmarkt hat sich am Donnerstag weiter eingetrübt. Der Leitindex Dax knüpfte an seine Vortagesverluste an und gab um 0,76 Prozent auf 10 462,91 Punkte nach. Zwischenzeitlich war das Börsenbarometer auf das Niveau von Ende April zurückgefallen.

Für den MDax ging es um 1,03 Prozent auf 23 303,50 Punkte nach unten. Der EuroStoxx 50 , der Leitindex der Eurozone, büßte knapp 1 Prozent ein.

Für Mollstimmung am US-Aktienmarkt hatte bereits zuvor Notenbank Jerome Powell gesorgt. Seiner Ansicht nach könnten weitere Konjunkturhilfen als Reaktion auf die Corona-Krise nötig sein, um die Wirtschaft des Landes zu stützen. Der wirtschaftliche Schock durch die Pandemie scheine der größte in der Geschichte zu sein, und auch die finanzpolitische Antwort darauf sei die schnellste und größte in der Nachkriegsgeschichte, sagte Powell. Die bisherigen Pakete seien aber womöglich nicht das letzte Kapitel.

"Es geht weiter abwärts am deutschen Aktienmarkt. Die Anleger verlieren so langsam den Mut, womit auch das Risiko einer erneut stärkeren Korrektur an den Börsen steigt", schrieb Marktanalyst Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader. Investoren würden mit einem massiven Anstieg der Arbeitslosenzahlen, schwachen Unternehmenszahlen und dem Risiko einer zweiten Corona-Welle konfrontiert. Da können auch die Zentralbanken mit der Flut an billigem Geld die Kurse nicht lange stützen.

Sonst lief an diesem Donnerstag die Berichtssaison der Unternehmen noch einmal zu Hochtouren auf. Allein aus dem Dax öffneten vier Konzerne ihre Bücher.

Mit Blick auf die Kursentwicklung erwiesen sich dabei die Aktien von Wirecard einmal mehr als sehr schwankungsfreudig. Zuletzt notierten die Papiere des in der Kritik stehenden Zahlungsdienstleisters fast zwei Prozent im Plus. Wirecard erzielte zwar etwas weniger Wachstum als in den Vorquartalen. Analyst Knut Woller von der Baader Bank betonte jedoch, dass das Unternehmen trotz des Gegenwindes durch die Covid-19-Krise einen soliden Start ins neue Jahr hinter sich habe.

Die Deutsche Telekom verdiente zum Jahresauftakt trotz Covid-19 wieder mehr, für die T-Aktien stand ein Plus von knapp ein Prozent zu Buche. Auch RWE startete gut in das neue Geschäftsjahr. Die Anteilsscheine des Energiekonzerns rückten um gut ein Prozent vor.

Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA wird derweil wegen der Corona-Pandemie vorsichtiger. Abweichend von der ersten qualitativen Prognose Anfang März geht das Management nun von einer erheblichen Belastung des weltweiten wirtschaftlichen Wachstums aus, die bei Merck alle Unternehmensbereiche betrifft. Die Anteilsscheine verloren fast zwei Prozent.

Der Online-Arzneimittelhändler Shop Apotheke legte durch die Corona-Krise einen starken Jahresauftakt hin. Damit zogen die Aktien an der Spitze des Nebenwertindex SDax um knapp neun Prozent an.

Abseits der Berichtssaison platzierte der Finanzinvestor Permira als Hauptaktionär des Softwareanbieters Teamviewer einen Teil seiner Aktien am Markt und machte damit nach der Rekordrally der Papiere Kasse. Teamviewer profitiert in der Krise von hoher Nachfrage nach Fernwartungs- und Homeoffice-Software. Die Anteilscheine knickten unter den schwächsten Werten im MDax um fast sechs Prozent ein./la/fba