PARIS/LONDON (dpa-AFX) – Zunehmende Konjunktursorgen haben Europas wichtigste Aktienmärkte auch am Donnerstag deutlich ins Minus befördert. Der Leitindex EuroStoxx 50 sackte im Handelsverlauf auf den tiefsten Stand seit Anfang April ab und verlor letztlich 1,79 Prozent auf 2760,23 Punkte. Der Pariser Cac 40 schloss 1,65 Prozent tiefer bei 4273,13 Punkten. Der Londoner FTSE 100 sank um 2,75 Prozent.

Für Belastung sorgten Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell. Der Fed-Vorsitzende warnte vor ungewissen wirtschaftlichen Aussichten und hohen Risiken wegen der Pandemie. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise seien wesentlich schlimmer als jede Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg, fügte er hinzu. Zudem machten sich wieder Befürchtungen um eine erneutes Hochkochen des US-chinesischen Handelsstreits breit, nachdem sich US-Präsident Donald Trump wieder einmal negativ über China geäußert hatte.

Derzeit verabschiedeten sich immer mehr Anleger von der Erwartung einer zügigen V-förmigen Konjunkturerholung nach der Corona-Krise, bemerkte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. "Die Investoren sorgen sich um ungewisse Zweit- und Drittrundeneffekte der Pandemie – sowohl, was permanente Unternehmenspleiten und Arbeitsplatzverluste in der Wirtschaft angeht als auch was mögliche neue Infektionswellen anbelangt", so Stanzl.

Unter den europäischen Branchenindizes gab es am Donnertag keine Gewinner. Am stärksten gaben Aktien aus dem Handelssektor (minus 3,1 Prozent) nach, während sich die Rohstoffwerte mit minus 0,6 Prozent noch am besten hielten.

Unter den Einzelwerten mussten unter anderem die Aktien des französischen Mischkonzerns Bouygues nach schlechten Zahlen Federn lassen. Nach einer Fast-Vervierfachung des Fehlbetrags im ersten Quartal rutschten die Papiere um 4,6 Prozent ab.

Zulegen konnten hingegen die Titel des französischen Energiekonzerns EDF mit Aufschlägen von 1,9 Prozent. Der mehrheitlich in französischem Staatsbesitz befindliche Versorger hatte nur einen begrenzten Einfluss durch die Corona-Pandemie hinnehmen müssen. Der Umsatz gab daher in den ersten drei Monaten des Jahres nur geringfügig nach.

Die Anteilscheine des Insulin-Herstellers Novo Nordisk gewannen 0,8 Prozent. Die US-Bank Goldman Sachs hatte das Unternehmen zuvor gelobt und nach guten Studienergebnissen auf ihrer Liste bevorzugter Aktien belassen./edh/he