BERLIN (dpa-AFX) – Die Energie-Gewerkschaft IG BCE hat vor den anstehenden Gesprächen zwischen Union und SPD für eine mögliche große Koalition "mehr Realismus" in der Industrie- und Energiepolitik gefordert. In der neuen Legislaturperiode sei ein "Modernisierungsschub" für die Energiewende notwendig, mit Investitionen in Stromspeicher und -leitungen, sagte der Chef der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, der Deutschen Presse-Agentur. "Für diese große Kraftanstrengung in der Klimapolitik bedarf es einer großen Koalition der Vernunft. Dafür werden wir uns in den nächsten Wochen und Monaten mit Nachdruck einsetzen."

Am Donnerstagabend trifft Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier CDU-Chefin Angela Merkel, CSU-Chef Horst Seehofer und den SPD-Vorsitzenden Martin Schulz, um nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen über mögliche Auswege zu beraten.

"Im Fall einer Zusammenarbeit von Union und SPD setzen wir auf mehr Realismus in der Arbeits- Sozial-, Industrie-und Energiepolitik", sagte Vassiliadis. "Die sogenannten "Kompromisse" aus den Jamaika-Sondierungen als Grundlage für die Gespräche der Volksparteien heranzuziehen ist allein deshalb absurd, weil sie aus Extremforderungen von Klientelparteien entstanden sind."

Vor Gesprächen von Schwarz und Rot müsse alles zurück auf null gestellt werden. "Das gilt auch für die Herausnahme von Kohlekraftwerken aus der deutschen Energieversorgung. Die Idee wird nicht dadurch sinnvoller, dass dieser unausgewogene Vorschlag in den Sondierungen eine Rolle gespielt hat." Zehntausende Jobs, Deutschlands Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit sowie die weitere Erhöhung der Strompreise seien Argumente genug für einen "Reset", den die Gewerkschaft von Union wie SPD erwarte. Bei den gescheiterten Jamaika-Sondierungen war die Energie- und Klimapolitik ein großes Streitthema./hoe/DP/zb