PARIS (dpa-AFX) – Frankreich betont in der Kontroverse über eine mögliche Bevorzugung der USA, dass ein Corona-Impfstoff des französischen Pharmagiganten Sanofi für alle verfügbar sein soll. Die Bemerkungen stimmten in keiner Weise mit der laufenden Zusammenarbeit zwischen Sanofi und der französischen Regierung überein, hieß es am Donnerstag aus Élyséekreisen über Aussagen des Sanofi-Generaldirektors Paul Hudson. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron konzentriere seine Bemühungen auf eine koordinierte und multilaterale Reaktion, damit ein möglicher Impfstoff für alle verfügbar sei – dieser kenne keine Grenzen. In der kommenden Woche solle es ein Treffen mit Sanofi geben.

Hudson habe in einem Interview deutlich gemacht, dass die USA bei dem Impfstoff Vorrang hätten, berichtete die US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch auf ihrer Internetseite. Die USA hätten als erste die Forschung unterstützt. Die US-Regierung habe "das Recht für die größte Vorausbestellung", zitierte die Agentur den Sanofi-Chef. Frankreichs Premier Édouard Philippe betonte daraufhin, dass Sanofi-Präsident Serge Weinberg ihm "alle notwendigen Zusicherungen" gegeben habe, dass ein Impfstoff in Frankreich zur Verfügung stehen würde. "Ein Impfstoff gegen Covid-19 ist ein globales öffentliches Gut. Der gleiche Zugang für alle zum Impfstoff ist nicht verhandelbar", so Philippe.

Die beiden Pharmakonzerne Sanofi und GlaxoSmithKline hatten bereits im April mitgeteilt, sie wollten gemeinsam an einem Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 arbeiten. Sollten Tests erfolgreich verlaufen, könnte ein Impfstoff in der zweiten Jahreshälfte 2021 verfügbar sein. Sanofi teilte nun via Twitter mit, die Teams des Unternehmens seien bemüht, die Entwicklung eines Impfstoffs zu beschleunigen. Der Frankreich-Chef von Sanofi, Olivier Bogillot, hatte nach den Äußerungen Hudsons versichert, einen künftigen Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 allen anzubieten. Dass die USA nach einer Entwicklung eines Impfstoffes Vorrang bei der Lieferung bekommen könnten, bestätigte er nicht./nau/DP/fba