BERLIN (dpa-AFX) – EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) hat sich trotz der schweren CDU-Verluste bei der hessischen Landtagswahl für eine erneute Kandidatur von Kanzlerin Angela Merkel zur Parteichefin ausgesprochen. "Ich finde, dass man die Mannschaftsaufstellung immer prüfen kann", sagte Oettinger am Montag beim Eintreffen zu Gremiensitzungen der CDU in Berlin. "Aber wenn sie bereit ist, halte ich viel davon, dass sie weitermacht und vor allem gewählt wird." Der Parteivorsitz sei eine hervorragende Ergänzung zum Kanzleramt.

Die CDU-Spitze wollte am Montag mit dem hessischen Regierungschef Volker Bouffier (CDU) über die Konsequenzen aus den zweistelligen Verlusten in dessen Land diskutieren. Auch von Mitgliedern des CDU-Präsidiums wird nicht ausgeschlossen, dass Merkel darauf verzichten könnte, wie ursprünglich geplant beim Parteitag Anfang Dezember in Hamburg erneut als Vorsitzende zu kandidieren.

Der CDU-Vorstand will am kommenden Sonntag und Montag bei einer Klausur über die Konsequenzen aus den Verlusten bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen diskutieren und den Parteitag vorbereiten. Dabei könnte es auch eine Diskussion darüber geben, ob Merkel den Parteivorsitz abgeben, aber Kanzlerin bleiben solle.

Oettinger sagte, Merkel habe als Kanzlerin ein Mandat für vier Jahre. Zudem würden eine Neuwahl und ein Personalwechsel Deutschland für längere Zeit lähmen. Deutschland brauche angesichts der aktuellen Entwicklungen in der Bundesrepublik eine handlungsfähige Regierung und nicht eine andauernde Debatte in der Union und über die Fortsetzung der großen Koalition. Weitere Diskussionen würden die Handlungsfähigkeit Deutschlands in Europa eindeutig schwächen, warnte Oettinger./bk/DP/stw