FRANKFURT (dpa-AFX) – Im Oktober ist das Ifo-Geschäftsklima den zweiten Monat in Folge gesunken. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Geschäftserwartungen wurden von den befragten Unternehmen schlechter als im September eingeschätzt. Eine Ausnahme bildete allerdings der Bausektor. Hier erreichte das Geschäftsklima ein Rekordhoch. Ökonomenstimmen zum Ifo-Geschäftsklima im Überblick:

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank:

"Das konjunkturelle Bild wird klarer. Die deutsche Wirtschaft schlittert in eine Schwächephase. Die Handelsstreitigkeiten, die schwierigen Brexit-Verhandlungen und Sorgen um die italienischen Staatsfinanzen verunsichern die sensible Unternehmerseele. Geplante Investitionen werden deshalb vielerorts vorerst zurückgestellt. Eine nachgebende Investitionsbereitschaft erweist sich als zusätzlicher konjunktureller Bremsklotz. Zu allem Überfluss kommen mit dem Dieselskandal und den noch immer fehlenden Autozulassungen nach dem neuen WLTP-Testzyklus hausgemachte Belastungen hinzu. Es ist also kein Wunder, dass der Ifo-Geschäftsklimaindex weiter zur Schwäche neigt."

Uwe Burkert, Chefvolkswirt LBBW:

"Der Reigen der schlechten Konjunkturnachrichten setzt sich fort. (…) Die Summe der Belastungen ist im Moment größer als die nach wie vor vorhandenen Auftriebskräfte. Beim nächsten Mal könnten noch Sorgen wegen Italien dazu kommen und vielleicht die Angst vor einem Anstieg der Leitzinsen in den USA. Es ist Herbst geworden, in jeder Hinsicht."

Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank:

"Nachdem sich das Ifo-Geschäftsklima im August deutlich erholt hatte, sah es so aus, als wäre die Talfahrt dieses wichtigen Stimmungsindikators beendet. Aber nach dem heutigen Einbruch ist das nicht mehr sicher. Das gilt umso mehr, als die Einkaufsmanagerindizes, die die Industrie und den Dienstleistungssektor zusammenfassen, sowohl in Deutschland als auch im Euroraum zuletzt deutlich gefallen sind und in diesem Jahr neue Tiefstände erreicht haben. In dieses Bild passt, dass die Auftragseingänge in Deutschland bis zuletzt gefallen sind."

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt ING:

"Derzeit gibt es noch keinen Grund, in eine schwere Depression zu verfallen. Faktisch gibt es weiter eine Reihe von Gründen, die das Wachstum stützen. Hier muss man nur an die niedrigen Zinsen und den schwachen Euro denken. Mit dem stärksten Kreditwachstum im Unternehmensbereich seit 2009 und Investitionen im Binnenmarkt könnte der nächste große Wachstumstreiber anstehen."

Jens Kramer, Analyst NordLB:

"Die heutigen Zahlen zum wohl verlässlichsten Frühindikator für die deutsche Konjunktur spiegeln durchaus eine zunehmende Besorgnis in den Chefetagen der Unternehmen wider, von Panikstimmung kann aber keine Rede sein. Gewiss waren außenwirtschaftliche Risikofaktoren verantwortlich für die schwindende Zuversicht. Solange die schlimmsten Schreckensszenarien zum Handelskrieg, Brexit und anderen Drohkulissen aber nicht eintreten, sollten die Unternehmen gegen die meisten Widrigkeiten recht gut gewappnet sein."

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