BERLIN (dpa-AFX) – Die Betreiber von Gas-Fernleitungen haben die Bundesregierung vor Verzögerungen bei der seit längerem geplanten Wasserstoffstrategie gewarnt. Die Geschäftsführerin des Branchenverbandes FNB Gas, Inga Posch, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Fernleitungsnetzbetreiber gingen mit den Planungen für das "Wasserstoff-Startnetz 2030" in Vorleistung. "Jetzt ist die Politik am Zug. Wir können es uns nicht länger leisten, auf die Nationale Wasserstoffstrategie zu warten."

Posch sagte weiter: "Wenn die für die Realisierung dieses H2-Startnetzes notwendigen Anpassungen des Rechtsrahmens nicht noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg gebracht werden, verlieren wir wertvolle Jahre bei der Planung eines völlig neuen Energienetzes der Zukunft." Das Wasserstoff-Startnetz sei zu "vertretbaren Kosten" realisierbar. "Wir rechnen mit Investitionskosten von ca. 660 Millionen Euro bis 2030."

Die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung ist bisher erst in Entwurfsfassungen bekannt. Wirtschafts-, Umwelt- und Forschungsministerium streiten seit längerem darüber, welche Wasserstoff-Arten gefördert werden und wo sie eingesetzt werden sollen. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) pocht darauf, dass Wasserstoff aus erneuerbaren Energien gewonnen werden muss – dies wird als "grüner Wasserstoff" bezeichnet. Umstritten ist in der Regierung aber, ob auch "blauer" Wasserstoff eine Rolle spielen soll. Damit ist Wasserstoff gemeint, der mit fossilem Erdgas gewonnen wird.

Das Wasserstoff-Startnetz 2030 mit einer Länge von mehr als 1200 Kilometern soll nach Branchenangaben im wesentlichen Bedarfsschwerpunkte in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mit Grüngas-Projekten zur Wasserstoff-Erzeugung in Norddeutschland verbinden. Ein Großteil soll durch eine Umstellung des Erdgasnetzes realisiert werden, es sind aber auch Neubauten vorgesehen. Eine erste Anbindung für Importe über die Niederlande ist ebenfalls vorgesehen./hoe/DP/zb