BERLIN (dpa-AFX) – FDP-Chef Christian Lindner hat nach dem Eklat beim G7-Gipfel in Kanada vor tiefgreifenden Konsequenzen für die Staatengemeinschaft gewarnt. "Dieser Gipfel ist eine Tragödie", sagte der Politiker am Sonntagabend im Sommerinterview der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Der Gipfel zeige, dass die führenden Wirtschaftsnationen nicht auf einen Nenner gekommen seien. "Und jetzt droht Handlungsunfähigkeit." Auch drohten Handelskonflikte. Es sei nun wichtig, dass die Europäer mit einer Stimme sprechen würden.

Die USA und die sechs anderen G7-Staaten hatten sich bei ihrem Gipfel trotz tiefgreifender Differenzen bei den Themen Handel und Klimaschutz zu einer Abschlusserklärung durchgerungen. Kurz darauf zog US-Präsident Donald Trump dann völlig überraschend per Twitter seine Zustimmung zu der Erklärung zurück – ein einmaliger Vorgang in der G7-Geschichte.

"Herr Trump schert sich herzlich wenig um Traditionen", sagte Lindner. "Und das, was die Vereinigten Staaten an Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut haben, ist er dabei, fahrlässig oder bewusst zu zerstören." Die transatlantischen Beziehungen müssten erste Priorität der deutschen Außenpolitik sein. Gerade wenn der Dialog über Konflikte schwerfalle, müsse man ihn intensivieren. "Bitte nicht dieselben Fehler mit den USA machen, die wir zuvor mit Russland gemacht haben", sagte Lindner in dem Interview. Er warnte mit Blick auf Russland vor einer Eskalationsspirale und plädierte für mehr Dialog und ein Modell "G7 plus eins", in dem man wieder das Gespräch mit Moskau suche./poi/DP/men