BERLIN (dpa-AFX) – Vor der Jamaika-Sondierung zu Klimaschutz und Energiepolitik fordern Klimaschützer von Union, FDP und Grünen einen konkreten Plan für den Ausstieg aus der Braunkohle. "Der Koalitionsvertrag braucht ein Gesetz zum Kohleausstieg mit einem Enddatum für jeden Meiler", sagte Greenpeace-Energieexperte Tobias Austrup der Deutschen Presse-Agentur. Um einer Blamage im Klimaschutz zu entgehen, müssten die künftigen Koalitionäre schon heute konkrete Schritte festlegen.

Nun zeige sich, wie viel die Klimaschutzversprechen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wert seien, sagte Jan Kowalzig von Oxfam. Um das deutsche Ziel zur Treibhausgas-Minderung bis 2020 zu erfüllen, müssten die 20 ältesten und schmutzigsten Kohlekraftwerke zügig vom Netz. Das fordern auch die Grünen. Ein Ausstieg aus der Kohlekraft sei in den nächsten 15 Jahren sozialverträglich und wirtschaftlich machbar, sagte der Klimapolitik-Experte. Aber auch bei der Gebäudesanierung, beim Verbrennungsmotor, in der Landwirtschaft und beim Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten brauche es deutlich mehr Ehrgeiz.

Der WWF und der Ökostrom-Anbieter Lichtblick veröffentlichte vor der Klima-Sondierung eine YouGov-Umfrage, der zufolge 72 Prozent der Deutschen von der neuen Bundesregierung einen schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung erwarten. "Die neue Regierung hat nicht nur die Wissenschaft im Nacken, sondern auch die eigene Bevölkerung. Denn die Mehrheit hat verstanden, dass Kohle ihre Zukunft und die ihrer Kinder aufs Spiel setzt", sagte Michael Schäfer vom WWF./ted/DP/zb