MADRID (dpa-AFX) – Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont hat die spanische Zentralregierung davor gewarnt, ihn festnehmen zu lassen. "Meine Festnahme wäre ungerechtfertigt und ein Fehler", sagte der separatistische Politiker am Mittwoch im CNN-Interview. Es sei "nicht der Augenblick, Menschen, mit denen man politische Differenzen hat, ins Gefängnis zu stecken." Puigdemont, der die Abspaltung Kataloniens von Spanien anstrebt, betonte: "Die Beziehungen zwischen Katalonien und Spanien funktionieren nicht. Die meisten Katalanen wollen Katalonien als unabhängigen Staat."

Er setze aber weiterhin auf Dialog mit der Zentralregierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy. "Ohne Vorbedingungen", betonte er. Der liberale Politiker schlug vor, jeweils zwei Vertreter der Regierungen in Madrid und Barcelona zu ernennen, die sich dann auf einen Vermittler einigen sollten. "Das könnte vielleicht helfen."

Am Dienstagabend hatte Puigdemont bei einer Rede vor dem Regionalparlament von Barcelona die Ausrufung der Unabhängigkeit "für einige Wochen" auf Eis gelegt, um erneut einen Dialog zu fordern. Rajoy rief Puigdemont daraufhin am Mittwoch dazu auf, zur Legalität zurückzukehren. Die Regionalregierung müsse zudem klarstellen, ob sie eine Unabhängigkeit erklärt habe oder nicht. Diese Mahnung gilt als Vorstufe für die Anwendung des Artikels 155 der spanischen Verfassung, wonach die Zentralregierung eine Regionalregierung entmachten kann, wenn diese die Verfassung missachtet./er/DP/men