MADRID (dpa-AFX) – Im Konflikt um die Unabhängigkeitsbestrebungen in der spanischen Region Katalonien wird nun gegen den Chef der Regionalpolizei wegen des Verdachts der Auflehnung gegen die Staatsgewalt ermittelt. Eine Richterin am Staatsgerichtshof lud den Polizeichef Josep Lluís Trapero für Freitag als Beschuldigten zu einer Anhörung vor. Trapero werde auf Antrag der Staatsanwaltschaft vorgeladen, teilte Richterin Carmen Lamela am Mittwoch mit.

Es gehe um die zurückhaltende Haltung der Regionalpolizei Mossos d’Esquadra bei Demonstrationen der Separatisten am 20. und 21. September in Barcelona. Damals konnten unter anderem mehrere Beamte der staatlichen Polizeieinheit Guardia Civil ein Gebäude erst Stunden nach einer Durchsuchung verlassen. Hunderte Demonstranten hatten die Eingänge blockiert. Auf den Straftatbestand der Auflehnung gegen die Staatsgewalt stehen nach Medienberichten bis zu 15 Jahre Haft.

In Zusammenhang mit diesen Kundgebungen lud die Richterin auch den Chef der separatistischen Organisation Asamblea Nacional Catalana (ANC), Jordi Sànchez, und den Vorsitzenden des nationalistischen Kulturvereins Omnium Cultural, Jordi Cuixart, vor.

Die Zentralregierung in Madrid hatte versucht, mit Polizeieinsätzen die Vorbereitung der Unabhängigkeitsabstimmung am Sonntag zu unterbinden. Unter anderem wurden Wahlzettel und Urnen beschlagnahmt. Madrid bezeichnete die Abstimmung als illegal, das Verfassungsgericht untersagte sie. Dennoch ließ die Regionalregierung abstimmen. Das "Ja"-Lager gewann mit 90 Prozent./er/DP/men