FRANKFURT (dpa-AFX) – Deutschland wird nach Einschätzung des Schweizer Bankhauses Julius Bär im kommenden Jahr weiter von einer wachsenden Weltwirtschaft und einer robusten Konjunktur in der Eurozone profitieren. "Die Stimmungsindikatoren zeigen, dass die deutsche Wirtschaft auch 2018 gut laufen wird", sagte David Kohl, Chefvolkswirt Deutschland von Julius Bär, am Mittwoch in Frankfurt. Der Experte erwartet den Aufschwung weiterhin auf einer breiten Basis. Neben den Exporten bleibt auch der private Konsum eine Stütze der Konjunktur.

Für das kommende Jahr rechnet Kohl mit einem deutschen Wirtschaftswachstum von 2,0 Prozent. Damit dürfte die Wirtschaftsleistung ähnlich stark zulegen wie in der Eurozone, wo der Julius-Bär-Experte ein Wachstum von 1,9 Prozent erwartet. Für das laufende Jahr veranschlagte Kohl allerdings noch ein etwas stärkeres deutsches Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent.

Kohl geht davon aus, dass der private Konsum 2018 möglicherweise etwas schwächer wachsen könnte. Dagegen sieht er bei den Investitionen der Unternehmen noch Luft nach oben. Außerdem zählt der Ökonom den Immobilienmarkt zu den treibenden Kräften für den Aufschwung im kommenden Jahr.

Durch die Geldflut der Europäischen Zentralbank sieht der Experte keine Gefahr. Zuletzt hätten die Kreditvergabe und das Wachstum der Geldmenge zwar zugelegt, sagte Kohl. Aber die Dynamik sei viel schwächer als vor der Finanzkrise und es seien keine Kreditexzesse zu befürchten.

Risiken für den Aufschwung erkennt Experte Kohl dagegen in dem starken Euro, der die deutsche Exportwirtschaft bremsen könnte. Auch die jüngste Entwicklung in China wird bei Julius Bär als ein Risikofaktor für die konjunkturelle Entwicklung gesehen. Zuletzt zeigten sich in dem wichtigen Handelspartner deutscher Unternehmen Anzeichen einer Konsolidierung. Unter anderem hatte die Regierung in Peking konjunkturstützende Maßnahmen zurückgefahren.

Vor dem Hintergrund des robusten Aufschwungs in Deutschland sieht Experte Kohl kaum Aussichten für eine Reformpolitik in Deutschland. Im Gegenteil: Sollte es im kommenden Jahr zu einer Neuauflage der Großen Koalition kommen, sei mit einem weiteren Zurückfahren der unter dem Stichwort "Agenda 2010" bekannten Arbeitsmarktreformen der Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder zu rechnen./jkr/tos/nas