BERLIN (dpa-AFX) – Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht angesichts der hohen Steuereinnahmen Spielräume für deutliche Abgabenentlastungen in Deutschland. Damit weicht der IWF mit seiner Chefin Christine Lagarde von der Linie ab, dass zusätzliches Geld vor allem in die Infrastruktur investiert werden soll. Dies könnte aber nach einer neuen Analyse zu einer Überhitzung der Konjunktur führen, berichteten der "Spiegel" und das "Handelsblatt" mit Blick auf eine neue IWF-Analyse. Der IWF sehe gerade in der hohen Abgabenbelastung für untere Einkommen eine Schwachstelle im deutschen Steuer- und Sozialsystem. Das mindere den Anreiz, eine Arbeit aufzunehmen.

Zudem fordere der IWF ein flexibleres Renteneintrittsalter und eine höhere Frauenerwerbsbeteiligung. Dafür müsse die Bundesregierung stärker in Kita-Plätze und Ganztagsschulen investieren, hieß es.

Wenn die Bürger mehr Geld in der Tasche haben, könnte das den Binnenkonsum stärken. Mit ihren Vorschlägen schlagen die IWF-Experten eine ähnliche Richtung ein wie Finanzminister Olaf Scholz (SPD). Am Mittwoch hatte Scholz verkündet, dass es bis 2022 63,3 Milliarden Euro mehr Steuereinnahmen bei Bund, Ländern und Kommunen geben wird als bisher prognostiziert, davon 10,8 Milliarden Euro für den Bund. Das Geld ist für Steuerentlastungen bei unteren und mittleren Einkommen vorgesehen und für Investitionen in Höhe von 2,4 Milliarden Euro in den Breitbandausbau und die Digitalisierung von Schulen./ir/DP/she