BERLIN (dpa-AFX) – Der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Maurice Obstfeld, verlangt von der Bundesregierung eine "sinnvolle Erhöhung der Staatsausgaben". Mit Investitionen in Infrastruktur oder Digitalisierung könne die heimische Nachfrage angeschoben werden, schreibt Obstfeld in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung "Die Welt" (Montag). Eine stärkere Binnennachfrage kann dazu beitragen, die umstrittenen deutschen Exportüberschüsse zu reduzieren. Obstfeld kritisierte, man beobachte "in Überschussländern wie Deutschland allenfalls zaghafte Maßnahmen, den Überschüssen entgegenzuwirken".

Anders als gemeinhin angenommen, sei ein großer Exportsaldo – also Ausfuhren, die wie in Deutschland die Einfuhren erheblich übersteigen – "nicht unbedingt ein Zeichen der Stärke, sondern eher Beleg heimischer Investitionsschwäche und einer Sparquote, die über das hinausgeht, was wirklich notwendig ist". Außerdem können solche Länder "leicht zur Zielscheibe protektionistischer Maßnahmen ihrer Handelspartner werden".

Die hohen Exportüberschüsse Deutschlands sind derzeit vor allem US-Präsident Donald Trump ein Dorn im Auge. Die amerikanische Volkswirtschaft weist im Gegenzug hohe Importüberschüsse auf. Trump argumentiert, dass dies auf Kosten der amerikanischen Arbeitnehmer gehe, weil viele in den USA konsumierte Produkte im Ausland statt im eigenen Land hergestellt werden./kf/DP/zb