BERLIN (dpa-AFX) – Angesichts der unklaren Lage beim Brexit planen immer mehr deutsche Unternehmen eine Verlagerung von Geschäften aus Großbritannien in andere Länder. Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) erwägt aktuell jedes achte Unternehmen mit Geschäft im Vereinigten Königreich, seine Investitionen auf andere Märkte zu verlagern – größtenteils nach Deutschland und in andere EU-Länder. Anfang 2018 hatte nur jeder zwölfte Betrieb von entsprechenden Vorhaben berichtet.

Befragt wurden rund 1500 deutsche Unternehmen mit Geschäftsverbindungen zu Großbritannien. "Der Brexit ist bereits jetzt eine hohe Belastung für die deutschen Unternehmen", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier am Donnerstag. Handel und Investitionen befänden sich seit dem Brexit-Referendum auf einem gewissen Rückzug.

Einen Monat vor dem geplanten Austrittsdatum müssten die Betriebe "ohne Kompass navigieren", so Treier. Eine konkrete Vorbereitung auf den Brexit gestalte sich für viele Betriebe trotz intensiver Bemühungen schwierig. Das größte Risiko für die Firmen sei ein drohender Mehraufwand bei der Zollbürokratie. "Im ungünstigsten Fall würden bei einem ungeordneten Austritt bis zu zehn Millionen neue Zollanmeldungen notwendig." Rund die Hälfte der Betriebe bereiteten sich mit Zollschulungen auf den Brexit vor.

Das Parlament in London will an diesem Donnerstag über das weitere Vorgehen beim EU-Austritt entscheiden. Es ist bereits die zweite Abstimmungsrunde seit der krachenden Niederlage für Premierministerin Theresa May im Januar, als das Parlament ihr Brexit-Abkommen mit der EU ablehnte. Großbritannien will am 29. März die Staatengemeinschaft verlassen./hoe/DP/jha