FRANKFURT (dpa-AFX) – Im Tarifkonflikt der deutschen Metall- und Elektroindustrie hat IG-Metall-Chef Jörg Hofmann die geforderten Arbeitszeitverkürzungen mit teilweisem Lohnausgleich verteidigt. Die Arbeitgeber seien gesellschaftlich verpflichtet, es Arbeitnehmern zu ermöglichen, Kinder zu betreuen oder Angehörige zu pflegen, sagte der Gewerkschafter am Mittwoch dem Audio-Dienst der Deutschen Presse-Agentur.

Neue Arbeitszeitmodelle seien für die Industrie wichtig, meinte Hofmann. "Die Branche leistet sich bis heute, dass wir nur 20 Prozent Frauen beschäftigen. Wenn sie Fachkräfte in Zukunft will, braucht sie Arbeitszeitmodelle, die es attraktiv machen, in der Metall- und Elektroindustrie zu arbeiten."

Die Arbeitgeber hatten bereits vor der am Mittwoch beginnenden zweiten Verhandlungsrunde wegen des Arbeitszeitkonflikts von der härtesten Tarifrunde seit Jahrzehnten gesprochen. Hofmann mahnte dazu, zunächst die Verhandlungen abzuwarten. "Ich bin überrascht über diese Tonlage. Selbst einen Arbeitskampf herbeizurufen in einer Lage, in der die Betriebe höchstausgelastet sind, ist unverantwortlich."

Die IG Metall hat neben 6 Prozent mehr Gehalt gefordert, dass alle Beschäftigten befristet auf zwei Jahre ihre Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden verkürzen können. Bestimmte Beschäftigtengruppen wie Schichtarbeiter, Eltern junger Kinder und pflegende Angehörige sollten dafür einen Lohnausgleich erhalten. Der Arbeitgeber-Verband Gesamtmetall hat diese Vorstellungen unter Verweis auf den Fachkräftemangel rundweg abgelehnt.

Warnstreiks unter anderem in den Schlüsselbranchen Auto, Maschinenbau und Elektro sind erstmals nach dem Ablauf der Friedenspflicht im neuen Jahr möglich./ceb/DP/stk