ABIDJAN (dpa-AFX) – Hilfsorganisationen haben vor Beginn des EU-Afrika-Gipfels an diesem Mittwoch eine radikale Abkehr von der derzeitigen Politik gefordert. "Nach wie vor werden afrikanischen Ländern politische Maßnahmen auferlegt, die vor allem im Interesse der EU-Staaten sind und nicht dazu beitragen, den Kontinent aus der sozialen und ökonomischen Krise und aus der Abhängigkeit herauszuführen", kritisierte das katholische Hilfswerk Misereor. So führten die bestehenden Wirtschaftsabkommen zur Zerstörung lokaler Märkte, weil EU-Importe wie Milchpulver, Tomatenpaste, Geflügel dort die Produkte von Kleinbauernfamilien verdrängten.

Die Organisationen Brot für die Welt, Medico International und Pro Asyl mahnten zudem eine Neuausrichtung der europäischen Flüchtlingspolitik an. "Die sogenannten europäischen Kooperationsangebote sind in Wahrheit schmutzige Deals mit Regimen, in denen eklatante Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind", kommentierte Medico International mit Blick auf die Zusammenarbeit mit Ländern wie Libyen, Ägypten oder Eritrea. "Das individuelle Recht auf Asyl wird in Europa durch Abwehrmaßnahmen unterlaufen. Europäisches Territorium und ein Asylverfahren in Europa sollen unerreichbar werden", hieß es von Pro Asyl.

Zu dem Gipfeltreffen von Europäischer und Afrikanischer Union werden an diesem Mittwoch und Donnerstag Dutzende Staats- und Regierungschefs in Abidjan in der Elfenbeinküste erwartet. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist mit dabei./aha/DP/zb