BERLIN (dpa-AFX) – Das Handwerk in Deutschland erwartet von der neuen Bundesregierung eine Lockerung der gesetzlichen Regeln zur Arbeitszeit. Die Branche hoffe, dass der neue Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bereit sei, mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und im Arbeitsrecht zuzulassen", sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, der "Rheinischen Post" (Dienstag). Die Digitalisierung wirke sich auch auf die Arbeitszeiten aus, sagte er. "Ein zu enges Arbeitszeitkorsett und zu starre und unflexible arbeitsrechtliche Vorschriften tun der Wirtschaft nicht gut."

Die Arbeitgeber dringen darauf, statt der bislang höchstens acht Stunden pro Tag nur noch eine maximale Wochenarbeitszeit im Gesetz festzuschreiben. Heils Vorgängerin Andrea Nahles (SPD) war mit dem Plan einer gesetzlichen Öffnung für mehr Freiräume bei der Arbeitszeit in einer Probephase im Sommer vor der Bundestagswahl 2017 gescheitert. Union und SPD wollen laut Koalitionsvertrag nun aber solche "Experimentierräume" für tarifgebundene Unternehmen schaffen. Mehr selbstbestimmte Arbeitszeit der Arbeitnehmer und mehr betriebliche Flexibilität sind das Ziel.

Die FDP hatte jüngst in einem Antrag im Bundestag eine "wöchentliche Höchstarbeitszeit von durchschnittlich 48 Stunden" gefordert.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt Experimente beim Arbeitszeitgesetz ab, wie Vorstandsmitglied Stefan Körzell in Berlin sagte. "Das Arbeitszeitgesetz bietet schon heute genug Flexibilität – auch für die digitale Wirtschaft." Viele Unternehmen praktizierten sehr flexible Arbeitszeitmodelle. "Dieses Gesetz muss erhalten bleiben, daran darf nicht herumgebastelt werden."/toz/bw/DP/jha