BERLIN (dpa-AFX) – Der Grünen-Spitzenpolitiker Robert Habeck dringt auf eine rasche Regierungsbildung. "Dass die Union nach einer Wahlniederlage eine gewisse Zeit braucht, um sich zu sortieren, ist nachvollziehbar", sagte Schleswig-Holsteins Umweltminister dem "Handelsblatt" (Mittwoch). "Aber dass Kanzleramtschef Peter Altmaier sagt, die Bildung einer neuen Regierung könne bis ins nächste Jahr dauern, finde ich verantwortungslos." Eine geschäftsführende Regierung habe keine Prokura, politische Initiativen voranzubringen, es herrsche quasi Stillstand.

Nach den schweren Verlusten bei der Bundestagswahl will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag mit der CSU-Spitze um Parteichef Horst Seehofer über eine gemeinsame Linie der Union für die anstehenden Sondierungen mit FDP und Grünen beraten.

Habeck sagte der Zeitung weiter, er sehe eine große Gefahr, dass in der Zeit bis zur Sondierung eine vielleicht mögliche gemeinsame Regierung "zerlabert" werde. Er habe sich Jamaika nicht gewünscht, "aber jetzt ist es so und wir müssen was draus machen". Die Zeit, ständig neue Hindernisse aufzuzählen, sei vorbei. Es gehe nicht darum, die Gräben zu suchen, sondern die Brücken. Habeck ist Mitglied der Sondierungsgruppe der Grünen./seb/DP/men