MAILAND (dpa-AFX) – Der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau hat Italien aufgefordert, die Haushaltsregeln der Eurozone zu respektieren. "Als Notenbankchef eines befreundeten Landes steht es mir nicht zu, die italienischen Entscheidungen zu kommentieren", schrieb Villeroy in einem Kommentar in der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" (Freitag). Respekt für diese Regeln sei aber auch im nationalen Interesse Frankreichs und Italiens.

Wegen seiner Haushaltspläne für 2019, die einen Anstieg der Schulden vorsehen, liegt Italien im Streit mit der EU-Kommission. Seit der Amtsübernahme der neuen Regierung im Juni sind die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen deutlich gestiegen. "Die gestiegenen Kosten von Staatsanleihen könnte sich auf die gesamte Wirtschaft auswirken und den Zugang zu Krediten für Familien und Unternehmen erschweren", warnte Villeroy.

Im Stabilitäts- und Wachstumspakt hat die EU die Obergrenze des Schuldenstandes eines Landes mit 60 Prozent sowie ein maximales Defizit von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts festgelegt. Italien weist mit rund 2,3 Billionen Euro knapp vor Frankreich den höchsten Schuldenstand Europas auf. Das Verhältnis der Schulden zur Wirtschaftsleistung ist in Rom angesichts des geringeren Bruttoinlandsprodukts jedoch höher und liegt bei mehr als 130 Prozent. Brüssel hatte die italienischen Pläne daher zuletzt zurückgewiesen.

Europas Währungshüter hatten am Vortag bereits vor den Risiken der italienischen Haushaltspläne für die Finanzstabilität der Eurozone gewarnt. Auch wenn sich die Kursturbulenzen an den italienischen Finanzmärkten im Zuge des Haushaltsstreits nicht nennenswert auf andere Euroländer übertragen hätten, sei die Lage für die Finanzstabilität insgesamt "schwieriger" geworden, hieß es im Finanzstabilitätsbericht der Europäischen Zentralbank (EZB)./elm/bgf/jha/