BERLIN (dpa-AFX) – Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat vor Verzögerungen bei einer klareren Kennzeichnung von Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten gewarnt. Weitere Untersuchungen, Befragungen und Evaluationen seien ebenso überflüssig wie ein neuer Vorschlag aus dem Ernährungsministerium, sagte Foodwatch-Expertin Luise Molling am Freitag der dpa. Mit dem aus Frankreich kommenden Nutri-Score liege längst ein verbraucherfreundliches Modell zur Nährwertkennzeichnung auf dem Tisch. Foodwatch kritisierte, Ministerin Julia Klöckner (CDU) führe die Öffentlichkeit in die Irre und spiele auf Zeit, um Süßwaren-Giganten vor der Nutri-Score-Ampel zu schützen.

Klöckner strebt vor einer Festlegung auf eine neue Kennzeichnung noch weitere Klärungen an, da laut einer Analyse alle bestehenden Systeme Vor- und Nachteile hätten – auch der Nutri-Score. Das Ministerium plant daher eine Verbraucherbefragung und einen Praxistest. Dabei sollen Bürger befragt werden, welches System ihnen im Alltag am meisten hilft. In diese Auswahl kommen soll auch ein weiteres Modell, das das bundeseigene Max-Rubner-Forschungsinstitut entwickeln soll.

Foodwatch warb erneut für das Nutri-Score-Modell, mit dem auch schon erste Produkte in Deutschland gekennzeichnet sind. Die EU-Kommission habe keine rechtlichen Bedenken und grünes Licht gegeben, auch in Spanien und Belgien werde das System eingeführt. Nutri-Score bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz auch empfehlenswerte Bestandteile wie Ballaststoffe oder Proteine in eine Bewertung ein und gibt dann einen einzigen Wert an – auf einer fünfstufigen Skala von dunkelgrün bis rot. Auch die SPD im Bundestag wirbt dafür./sam/DP/mis